Wenn mich jemand fragt, was das Unternehmen so macht, bei dem ich arbeite, hole ich in den seltensten Fällen aus, sondern antworte – eigentlich komplett entgegen meiner Position und auch nur der Einfachheit halber - E-Learning.
Aber wenn man mich wirklich fragt, ist die Antwort eine ganz andere, denn E-Learning ist für mich gescheitert. An so vielen Stellen. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Konzept per se eine schlechte Idee ist. Vielmehr ist es ein Prozess, der gerade erst gestartet ist und aktuell noch in den Kinderschuhen steckt. Schaut man sich in der Geschichte so um, wird klar, um einen tatsächlichen gesellschaftlichen Mehrwert zu generieren, sind viele kleine Innovationen nötig. Heißt, eine gute Idee hat häufig gar keinen unmittelbaren Einfluss auf Prozesse, da sich erst Rahmenbedingungen entwickeln müssen, damit der Vorteil genutzt werden kann.

Jede Entwicklung bringt neue Möglichkeiten

So war es auch alles andere als eine schlechte Idee, unsere schriftliche Kommunikation in Form von Briefen als E-Mails zu digitalisieren. E-Mails geben im Grunde genommen keinen wirklichen Mehrwert gegenüber der analogen Version. Doch genau dieser Schritt, sowie viele weitere, haben uns heute zu etwas geführt, dass die Gesellschaft nicht nur haben will, sondern auch wirklich braucht (FACTS! fight me). Mit WhatsApp und anderen Chat-Anbietern können wir mit einer Person, oder mit vielen Menschen gleichzeitig kommunizieren. Wir können visuell über Emojis Feedback geben, können Medien verschicken und telefonieren mit und ohne Video und das auch noch flexibel auf unserem Handy. Natürlich wollen und können wir nicht die Kutsche mit dem Auto vergleichen, aber dieses Beispiel zeigt, wie sich aus einer einfachen Digitalisierung etwas Neues entwickelt hat.

Und genauso sehe ich es mit E-Learning. Ein normales E-Learning Portal, also ein LMS, enthält alles, was wir in der Schule so doof fanden und digital einfach keinen Sinn macht. Fächer, Klassen, Prozesse, Klausuren, Noten. Nichts davon geht mit einer intrinsischen Motivation einher und die analogen Strukturen schränken sowohl Nutzer als auch Anbieter ein.

Binge Learning ist das Ziel. In der Schule hat eine Lerneinheit 45 Minuten. Aber warum eigentlich? Und was ist mit den Leuten, die den Stoff in dieser Zeit noch gar nicht so durchgehen können wie sie das eigentlich gerne tun würden? Oder mit denen, die sich lieber in einen anderen Schwerpunkt vertieft hätten, weil sie in dem Thema schon mehr Erfahrung haben? Diese Struktur macht in der Schule aus vielen Gründen immer, größtenteils noch immer Sinn. Aber die digitalen Möglichkeiten sind so viel größer als das. Zunächst einmal der zeitliche Aspekt. Zeit sollte nur ein Richtwert sein, damit der Lernende den Umfang des Kurses ungefähr einschätzen kann. Wenn jeder Lernende unabhängig von anderen arbeiten kann, dann soll er das auch in seinem eigenen Tempo können. Dann stellt sich die Frage, warum sollen wir nach 45 Minuten aufhören, wenn wir gerade richtig im Flow sind und mehr wissen wollen?

Konsum, der dich weiterbringt

Apropos Flow. Dank Netflix gibt es jetzt Binge Watching. Wenn wir gerade im Flow sind und motiviert sind, immer weiter zu machen, tiefer zu gehen und neue Erfahrungen zu machen, ist das wie bei einer guten Serie. Außerdem gibt uns das doch viel mehr als jeder Serienmarathon (was nicht heißt, dass 3 Staffeln am Stück nicht auch mal schön sind). Warum also nach 45 Minuten eine Vollbremsung einlegen, wenn ich eigentlich Lust auf Binge Learning habe? Aber natürlich komme ich nicht so einfach in den Flow nur weil ich mich wie beim Binge Watching berieseln lasse. Für meinen Flow muss ich mich inspiriert fühlen. Bestenfalls getriggert von Themen, die mir in der Praxis wirklich begegnen und die mir helfen, meine Probleme zu lösen, mich der Beförderung näherbringen, oder mir einfach zeigen, wie ich das toxische Verhalten mancher Kollegen (funktioniert auch gut mit Freunden) abblocke. Egal in welchem Thema. Digitales Lernen kann meiner Meinung nach nur nachhaltig erfolgreich sein, wenn man die Route und Intensität selbst bestimmen kann. Wenn man jede Abzweigung nicht nur bewusst wahrnimmt, sondern auch die Zeit hat, abzuwägen ob sich ein Abstecher lohnt.

Und deshalb ist es eigentlich nicht richtig, wenn ich auf die Frage ‘was macht dein Unternehmen eigentlich’ mit E-learning antworte. ondojo ist der nächste Schritt in einem Prozess. Wir erfinden digitale Bildung nicht neu. Wir setzen einen drauf. Nicht nur inhaltlich, indem wir von Self-Empowerment und persönlicher Zielsetzung ausgehen, sondern auch strukturell rollen wir das Konzept neu auf. Wir gehen weg von der Idee Schule bzw. Präsenztrainings digitalisieren zu wollen und nutzen stattdessen künstliche Intelligenz, die dem Nutzer hilft, nicht zielführende Verhaltensweisen zu identifizieren und anschließend positiv zu überschreiben.

Aber ich kann hier viel erzählen, probier‘s aus und erzähl mir wie es dir gefallen hat!