Die moderne Arbeitsumgebung fordert eine immer größere Breite an Fähigkeiten von uns ab. Nicht mehr nur das Können ist gefragt, sondern ein Gesamtpakte aus den verschiedensten Skills. Darunter befindet sich vor allem emotionale Intelligenz. Besonders bei erfolgreichen Personen ist diese Fähigkeit zumeist stark ausgeprägt. Doch was bedeutet emotionale Intelligenz? Und kann sie erlernt werden?

Emotionale Intelligenz ein Muss in Führungsposition?

Emotionale Intelligenz beschreibt die Fähigkeit, sich in konkreten Situationen in Menschen einfühlen zu können und sie zu verstehen. Diese Fähigkeit wird besonders in Bereichen gebraucht, wo Menschen miteinander agieren. Denn wer diese Fähigkeit besitzt, kann besser verstehen, was seine Mitmenschen motiviert, was sie abschreckt, oder was sie brauchen, um sich mit der Aufgabe zu identifizieren.

Die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle (korrekt) wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen.
Definition nach Mayer & Salovey 1997

Somit wird emotionale Intelligenz vermehrt ein ausschlaggebendes Kriterium bei der Besetzung von Führungspositionen. In agilen oder flexiblen Strukturen, wird, je höher die Position ist, fachübergreifende Fähigkeiten an Bedeutung. Denn eine Führungskraft setzt die Ressourcen seiner Mitarbeiter intelligent ein. Und das bedeutet, darauf zu achten, unter welchen Bedingungen diese am besten arbeiten. Denn emotionale Verfassung des Teams spielt mitunter einer der größten Rollen dabei.

Woraus emotionale Intelligenz besteht

Emotionale Intelligenz setzt sich dabei aus verschiedenen Fähigkeiten zusammen, die alle entwickelt werden können.

Perspektivenwechsel

Fähigkeit, sich in alternative Standpunkte versetzen zu können, und daraus zu schließen, wie unser Gegenüber denkt und handelt.

Empathie & Mitgefühl

Fähigkeit und Bereitschaft, Empfindungen, Gedanken, Emotionen, Motive und Persönlichkeitsmerkmale einer anderen Person zu erkennen und zu verstehen.

Emotionen regulieren

Fähigkeit, durch verbale oder nonverbale Kommunikation zu aktivieren oder zu relativieren.

Weltrelativismus

Fähigkeit, Werte weder beliebig noch allgemeingültig zu betrachten, sondern sie als verbindlich innerhalb eines bestimmten Bezugssystems zu erkennen.

Ungewissheitstoleranz

Fähigkeit, mehrdeutige Situationen und widersprüchliche Handlungsweisen zu managen; also ohne darauf aggressiv zu reagieren oder diese einseitig negativ bzw. vorbehaltslos positiv zu bewerten.

Übungen für emotionale Präsenz

Damit wir unsere Mitmenschen besser, kann es helfen, wenn wir uns selbst emotional verstehen. Wie gut kennen wir uns selbst und unseren eigenen Emotionen? Wir fühlen wir uns gerade? Können wir das klar benennen? Je besser wir uns selbst verstehen, desto leichter fällt es uns, die Emotionen anderer richtig zu deuten. Unsere Spiegelneuronen unterstützen uns in unserer Empathie. Nutzen wir sie doch bewusst mit diesen Übungen:

Übung 1:

Nehmen wir uns eine Woche lang jeden Tag zu unterschiedlichen Tageszeiten 5 Minuten, in denen wir aktiv in uns hineinfühlen. Versuchen wir zu beschreiben, wie wir im Moment empfinden. Sind wir gut drauf? Wie äußert sich das? Oder müde? Entspannt? Euphorisch? Schreiben wir unsere Ergebnisse auf einen Zettel und vergleichen wir am Ende der Woche unsere verschiedenen Emotionen.

Übung 2:

Schauen wir morgens in den Spiegel und betrachten unsere momentane Ausstrahlung. Wie wirken wir auf uns? Lebensfroh? Müde? Fragen wir dann einen Kollegen, wie wir auf diesen wirken. Entspricht unser Selbstbild der Fremdwahrnehmung?

Übung3:

Beobachten wir einen Mitmenschen ganz genau und verstehen wahrzunehmen, wie sich die Person gerade fühlt. Was sagt uns der Gesichtsausdruck des Kollegen/ Freundes / Nachbarn? Oder die Stimmlage? Körperhaltung? Wenn wir eine klare Emotion oder Stimmung benennen können, fragen wir die Person, ob unser Eindruck stimmt.

Übung 4:

Beobachten wir in einer Gesprächssituation (Meeting, Mittagessen,…) unsere Mitmenschen ganz genau und versuchen wir, die Körpersprache mit dem Gesagten abzugleichen. Passen die Aussagen zur Mimik und Gestik? Wirken die Personen authentisch auf uns? Entwickeln wir ein Gefühl für Kongruenz von Körpersprache und Äußerungen, sowie Dynamiken von Stimmungen in zwischenmenschlichen Situationen.

Übung 5:

Suchen wir uns eine Person in unserem Umfeld, bei der wir klar eine konkrete Stimmung vermuten. Sprechen wir sie nicht darauf an, sondern nutzen wir unsere Annahme für eine darauf abgestimmte Interaktion. Wenn wir beispielsweise Ärger bei einem Kollegen spüren, fragen wir ihn, ob dieser Lust auf einen Spaziergang hat.

Nicht nur für Führungskräfte ist emotionale Intelligenz ein wichtiger Key-Skill. Sobald wir mit Menschen zusammenarbeiten lohnt es sich, diese Intelligenz zu fördern. Denn wissen wir genau, was wir und unser Umfeld empfindet, können wir das nutzen um die geeigneten Impulse für die richtige Richtung zu geben.