Wir Menschen sind soziale Wesen. Unser Zusammenleben stärkt und fördert uns. Und am besten funktioniert das, wenn wir fair, offen und ehrlich miteinander umgehen. Und noch besser, wenn wir empathisch sind. Denn Empathie bedeutet nicht nur das Verstehen und Hineinversetzen in unserem Gegenüber, sondern auch der Umgang mit diesem Verständnis.

Und ein empathischer Umgang schafft großartige Möglichkeiten in Bezug auf Dynamik, Tempo, Innovation und Ergebnisse: Dann ist „das Ganze mehr als die Summe seiner Teile.“   Dafür lohnt es sich, in Vorleistung zu gehen und diesen Raum zu öffnen.

Uns in die Lage der anderen Person hineinversetzen können und diese somit verstehen. Wer Empathie besitzt, hat ein Gespür für die Gefühlswelt seiner Mitmenschen und sieht nicht nur seine eigene Welt.

Das heißt nicht, dass wir immer der gleichen Meinung sein müssen, sondern, dass wir bereit sind die Sicht des anderen zu sehen, sie zu respektieren und damit umzugehen.

Wir hören zu und achten auf die Körpersprache des Anderen. Wir akzeptieren unterschiedliche Meinungen und erkennen die Stimmung. Entweder wir haben halt ein Bauchgefühl oder beziehen ein, was tatsächlich ist und nutzen die Möglichkeiten, um Dynamik aufzubauen.  

Möchten wir unsere Empathie verstärken oder weiter ausbilden, so können wir auf diese Dinge achten:

Sehen und Verstehen der Lage unseres Gegenübers: Nachfragen, bevor wir reagieren und dann mit dem umgehen was ist.

Innerhalb unseres Umfelds oder Team fällt uns immer wieder Verhalten oder Gesagtes auf, welches wir dann schnell aus unserer Sicht beurteilen oder sogar verurteilen. Das fällt uns leicht, weil wir darin geübt sind.

Wechseln wir mal die Sicht: Warum hat die Person das getan/ das gesagt? Woher rühren ihre Emotionen/ Gefühle? Welche Standpunkte /  Probleme hat sie? In welcher Situation befindet sie sich gerade?

Je mehr wir versuchen in die Rolle zu schlüpfen, desto mehr verstehen wir diese und können nachvollziehen, warum sich andere verhalten, wie sie sich verhalten. Oft beurteilen wir dann die Situation anders. Aus einem weiteren Fokus erweitern sich auch unsere Ansatzpunkte und Reaktionsmöglichkeiten.

Anerkennung von Gefühlen

Teilt unser Gegenüber in einem Gespräch seine Hintergründe zu Vorstellungen und Entscheidungen und Ansichten mit, haben wir eine Wahl, wie wir darauf reagieren. Wir können vorherrschende Gefühle wieder aus unserer Sicht beurteilen, oder wir erkennen sie an und beziehen sie ein.

Letzteres können wir tun, indem wir nachfragen, ob unserem Gegenüber bekannt ist, was konkret ausgelöst wurde.

„Warum siehst/ fühlst du das so?“ Somit vermitteln wir Akzeptanz der Gefühle und dass wir ihn/sie hören. Wir bewerten nicht die Emotionen, womit wir einen offenen Raum schaffen. In diesem fühlt sich jeder gehört und respektiert. Es fällt leichter offen zu kommunizieren.

Emotionale Unterstützung

Wenn wir Probleme oder Schwierigkeiten haben, so suchen wir manchmal keine Lösung, sondern einfach Verständnis für unsere Situation. Wir möchten gehört werden.

Und genauso geht es unseren Mitmenschen. Teilt uns jemand seine Probleme mit, so können wir zunächst heraushören, ob er/sie uns nur dies mitteilen möchte, oder aktiv nach unserer Meinung dazu fragt. Da manchmal auch beides möglich ist, ist es von Vorteil zunächst zuzuhören und im Anschluss den eigenen Vorschlag / Meinung mitzuteilen.

Interesse zeigen

Ein Gespräch besteht aus mindestens zwei Personen, die sich austauschen. Notwendig dabei ist: Interesse an dem Gesagtem zu haben. Im besten Falle passiert dies von selbst, wenn die Inhalte die Personen interessiert oder betrifft.

Werden über Emotionen und Gefühle gesprochen, so kann dies aber sehr wichtig werden. Wird dies zum Inhalt eines Gesprächs, so befindet es sich auf einer persönlichen Ebene, auf der wir verletzlicher sind.

Zeigen wir unserem Gegenüber Interesse, indem wir fragen dazu stellen, so vermitteln wir, dass es ok für unseren Gegenüber ist, darüber zu reden. Damit wird einer Sicherheit geschaffen, auf der es leichter fällt über Emotionen zu sprechen.

Mitgefühl zeigen

Hauptmerkmal der Empathie ist, wie bereits erwähnt, die Emotionen der Mitmenschen zu verstehen. Erkennen wir die Situation des anderen und seine Gefühle, so können wir mit ihnen Fühlen. Und befinden wir uns in dieser Situation, können wir erkennen. Was braucht unser Gegenüber in seiner aktuellen Gefühlswelt?

Oder wir fragen schlichtweg: „Was kann ich für dich tun?“ „Was müsste sichergestellt sein, dass wir in dem Thema / dem Vorgehen weiterkommen?“

Innere Freiheit für Empathie

Um die Gefühlswelt des anderen zu erkennen und zu verstehen, kann es helfen, wenn die eigene ruhig und entspannt ist. Sind wir genervt, gestresst oder verärgert, so nehmen negativen Emotionen den Platz in unserem innerem Selbst weg. Unsere Gedanken drehen sich um unsere eigenen Probleme und womit es nicht mehr viel Platz für die Belange des anderen gibt. Um ein offenes Ohr für andere zu haben, sollten wir für die nötige Ruhe und Ordnung in uns selbst sorgen.

Empathie hat viele Facetten. Und Grenzen, je nach Beziehungsebene und Intension. Was wird abgeholt? Kann die Beziehungsebene überhaupt stabilisiert werden oder scheinen klare Linien hier als Markierung sinnvoll?

Räume öffnen, in denen Klarheit den Ton angibt, ausgesprochen wird was ist und konkret Verantwortlichkeiten, Schritte und Aufgaben definiert und alle relevanten Faktoren einbezogen werden.

Und nicht nur im privaten ist diese Fähigkeit gut, um Beziehungen zu vertiefen. Auch in unserem beruflichen Umfeld kann sie ein Schlüssel für den Erfolg sein.

Das wird deutlich, wenn die Entwicklung eines Teams betrachtet wird.

In der ersten Phase sind die Team-Mitglieder höflich und freundlich, jedoch auch vorsichtig und unpersönlich. Es wird vielmehr beobachtet, wie sich die anderen Personen aus dem Team verhalten, um zu erkennen, welche Charaktere diese sind.

In der nächsten Phase kommt das Team aus dem vorsichtigen Verhalten raus. Es wird authentischer, indem die Personen sich mehr verhalten, wie sie wirklich sind. Das kann aber zu Problemen führen. Dadurch, dass sich die Team-Mitglieder noch nicht gut genug kennen, wissen sie nicht immer wie sie das Verhalten des anderen einzuordnen haben. Dinge werden nicht angesprochen, und vieles wird für sich behalten.  

Um letztendlich zu einem stark performenden Team zu werden, ist die Orientierungsphase zu durchqueren. Diese wird erreicht, indem wir durch Führung einen Raum von Klarheit und Empathie schaffen. In Bezug auf Verantwortung, Positionierung und Anforderungen klar formulieren: Wie wir kommuniziert? Wie mit Fehlern umgegangen? Wie können eigene Erwartungen klar und eindeutig platziert werden? Dies exemplarisch für ein performantes System – hier wird schnell klar, die Führungsleistung Räume zu öffnen und ein Team durch die einzelnen Entwicklungsphasen zu führen wird belohnt – der Führungsaufwand nimmt ab.

Angekommen in der Performing Phase, nachdem aus der Gruppe ein Team geworden ist, begegnen wir unseren Mitmenschen mit Offenheit, Ehrlichkeit und Fairness. Wir sprechen weitgehend ohne Masken und ohne Filter.

Die Führungskraft im Lead als Türöffner in den Raum der Performance

Wir selbst und unser Mitarbeiter benötigen dafür Mut und die Erkenntnis, dass Konfrontation möglicher Befürchtungen, Vorbehalte und auch gemachter Erfahrungen gelöst werden, von zukünftigen Absichten. Indem wir klar – authentisch und glaubhaft - formulieren, was wir erwarten, zu welchem Umgang wir bereit sind. Kurzum, was wir geben und was wir erwarten. An der Reaktion unseres Gegenübers wird schnell klar, ob ein Anliegen glaubhaft ankommen konnte und Vertrauen aufgebaut wurde, oder ob der andere nicht mitgehen möchte. Wir brauchen das Verständnis für diesen Raum und das Wissen, dass dieser sicher ist. Wir bewegen uns nur mit den Personen weiter in die nächste Phase, die auch weitergehen wollen. Die anderen folgen oder auch nicht.  

In Zeiten wachsender Agilität und Verantwortungsübertragung ist die Kommunikation durch Masken und über Dechiffrierungen zu langwierig.  Ein klares, freies, direktes Miteinander ist ein entscheidender Erfolgsfaktor. Persönliche Befindlichkeiten zu zelebrieren gehört der Vergangenheit an. Deshalb direkt ansprechen, ohne Gesichtsverlust zu riskieren und Teams oder einzelne Mitarbeiter und Kollegen direkt in die Orientierungsphase führen.

Schaffen wir diesem Raum, so geben wir uns selbst die Chance und die Möglichkeit, eines förderlicheren Umgangs. Ein Umgang, indem wir offen, leistungsfähig, ideenreich, flexibel und besonders gemeinsam auf das Ziel hinarbeiten.

Mit Empathie unser Umfeld sehen, verstehen und gestalten. Mit Offenheit und Mut.