Arbeiten im T-E-A-M: Toll, ein anderer machts? Hast du auch schonmal negative Erfahrungen mit Gruppenarbeiten gemacht? Sei es im Projekt-Board oder im Studium, es gibt genügend Horrorszenarien: Der eine ist quasi nie da, der andere trägt einfach nichts Brauchbares zur Gruppendiskussion bei, wieder einem anderen im Team ist alles egal… Gott sei Dank gibt es da den einen in der Gruppe, der die Arbeit scheinbar alleine bewältigt und das Projekt rettet. Gruppenarbeit ist nicht immer eine Bereicherung – das gilt auch beim Thema Entscheidungen, die in der Gruppe getroffen werden. In vielen Situationen können wir zwar im Team besonders tragfähige Entscheidungen fällen. Wir profitieren von den Erfahrungen und Ideen mehrerer Personen, finden kreativere Lösungen und berücksichtigen eine Vielfalt an Informationen – getreu dem Motto: Vier Augen sehen mehr als zwei. Aber leider ist „mehr“ nicht immer besser.

Gefahr: Groupthink

Unter bestimmten Umständen können Gruppen bei der Entscheidungsfindung fatal sein. Ein kleines Beispiel aus der Geschichte: Die Schweinebuchtinvasion 1961. Die US-amerikanische Regierung entschied sich zu einer Invasion auf Kuba, um Fidel Castro zu stürzen. Eine Entscheidung mit sehr hoher Tragweite. Selbstverständlich, dass so eine wichtige Entscheidung nicht von einer einzelnen Person mal eben nebenbei gefällt werden kann, sondern dass Experten Argumente ausgiebig und objektiv diskutieren und unter Berücksichtigung aller Konsequenzen und Gefahren eine abgesicherte Entscheidung treffen. Oder? Leider nein, die Invasion scheiterte kläglich und Kuba nahm über 1100 Gefangene. Im Nachhinein ließ sich feststellen, dass Fakten zu den Voraussetzungen der Invasion und zahlreiche Hinweise, dass diese zum Scheitern verurteilt war, scheinbar einfach ignoriert wurden.

Wie kann es also sein, dass eine Expertengruppe einer der einflussreichsten Staaten weltweit so fatale Fehlentscheidungen trifft? Dafür kann das Phänomen Groupthink eine Erklärung liefern. Hierbei werden Informationen nicht mehr sachlich und kritisch analysiert, sondern überlagert von persönlichen und zwischenmenschlichen Faktoren. Das kann zum Beispiel der Wunsch nach Zugehörigkeit sein, ein starkes Harmoniebedürfnis in der Gruppe oder Angst vor Ablehnung und Konfrontation. Dies kann so weit gehen, dass man der Gruppenmeinung zustimmt, obwohl man selbst ganz anderer Meinung und eigentlich überzeugt ist, dass das Gruppenurteil falsch ist. Ein Irrglaube also, dass eine Entscheidung, die alle Gruppenmitglieder besonders gut finden, auch die richtige Entscheidung ist.

Gefahren erkennen – und dann?

Wir sollten uns folglich bewusst machen: Beim Entscheidungsprozess in Gruppen finden generell andere Dynamiken statt als bei einer Entscheidung als Einzelperson. Und ungünstige Dynamiken treten auch in den besten Teams auf! Umso wichtiger also, in einer Entscheidungssituation in der Gruppe einen Überblick zu behalten und Gefahren rechtzeitig zu erkennen, um die Entscheidungsdiskussion wieder in eine zielführende Bahn zu lenken.

Doch was kann ich da konkret tun? Folgende Checkfragen können dabei helfen zu erkennen, ob eine Gruppenentscheidung gerade in die falsche Richtung abzudriften droht:

  1. Ideen, Fakten und Informationen. Gibt es eine Ideenfindungs- und Sammlungsphase? Bekommt jeder die Gelegenheit, Ideen freizusetzen, ohne, dass diese sofort bewertet werden? Werden mögliche Risiken der Ideen ermessen? Und: Werden die Ideen aller Mitarbeiter in der Entscheidungsfindung berücksichtigt?
  2. Verschiedene Meinungen. Meinungsvielfalt bringt wenig, wenn die Gruppenmitglieder sich gar nicht erst trauen, ihre abweichenden Meinungen zu äußern. Der Chef spricht, alle nicken, zustimmendes Gemurmel und leere Blicke durch den Raum. Wie ist die Atmosphäre in der Diskussion? Wird Kritik geäußert? Werden Alternativen erfragt?
  3. Sei ein Philosoph. Wie ist das gemeint? Bewusst und überspitzt kritisch denken! Beobachte, ob die Aussagen deiner Kollegen (aber auch deine eigenen) möglichst frei von äußeren Einflüssen sind. Was sind deren Absichten, Motive? Wurden während der Diskussion genug Fragen gestellt?
  4. Beziehungen. Spielt Sympathie zu bestimmten Kollegen oder dem Chef eine Rolle bei der Entscheidungsfindung? Wo liegt ein hierarchisches Gefälle vor?
  5. Zukunft. Würden wir in einem Jahr wieder so entscheiden? Warum (nicht)?

Wenn bei mindestens einer dieser Fragen ernsthafte Bedenken aufkommen, dann kann das ein Hinweis darauf sein, dass der Entscheidungsprozess nicht optimal läuft. Deshalb: Beobachte eure Diskussion bei der nächsten Entscheidungsfindung. Hast du ein gutes Gefühl, dass ihr so zu einer guten Entscheidung finden könnt? Nein? Sprich es an! Verbalisiere, worin du die Probleme siehst, hier und heute eine gute Entscheidung zu treffen. Und ist dieser erste Schritt getan, gilt es herauszufinden: Unter welchen Bedingungen sind Gruppenentscheidungen wirklich zielführend und welche Möglichkeiten haben wir, eine optimale Grundlage für gute Entscheidungen zu schaffen? Das erfährst du hier.