Fight, Flight or Freeze.

Unsere Vorfahren mussten zwar oft nur simple Entscheidungen treffen, diese hatten aber gravierende Konsequenzen.

Heutzutage, wo es um mehr als nur das reine Überleben geht, sind unsere täglichen Entscheidungen etwas komplexer geworden. Konsequenzen gibt es immer. Haben wir also die richtige Entscheidung getroffen, oder warten wir bis die die Sache sich selbst erledigt?

Geben wir unseren Entscheidungen eine Struktur sehen wir alle Zusammenhänge klarer. Doch aus was besteht diese Struktur?

Bewusst und unbewusst Entscheidungen treffen

Jeder Mensch trifft im Verlauf des Tages rund 20.000 kleine oder große Entscheidungen. Was wir anziehen, was wir als erstes im Büro machen, wie wir die Aufgabe angehen – alles Entscheidungen, die wir bewusst oder unbewusst treffen. Dabei sind 95% dieser unbewusst. Sie können daraus bestehen, dass wir aus zwei oder mehreren Alternativen wählen, überlegen eine Tätigkeit zu beginnen/ zu beenden, oder uns entscheiden, dass wir gar nicht entscheiden.

Stehen wir vor Entscheidungen, so stehen wir ebenso vor deren Begleitern, die uns unterschiedlich stark beeinflussen können.

  • Die Angst, die „falschen“ Entscheidungen zu treffen
  • Der Wille, die perfekte Entscheidung treffen zu wollen
  • Das Zögern, die Entscheidung so lange aufzuschieben, bis ein anderer oder die Umstände diese für uns übernehmen
  • Das Gefühl, keine Befugnis oder Handlungsspielraum zu haben
  • Das Gefühl sich der Verantwortung nicht gewachsen zu fühlen.
  • Die Vermeidungs- und Verminderungsstrategien
  • Die fehlende Entscheidungsgrundlage
  • Die Befürchtung, dass Entscheidungen nicht respektiert oder anerkannt werden
  • Der fehlende Rückhalt der Mitarbeiter/Kollegen /Chef

Ob diese bei einer Entscheidung dabei sind, hängt davon ab, wie groß diese für uns persönlich ist, wie die Konsequenzen aussehen, oder wie sie in unserem Umfeld wirkt. Stehen wir diesen „Begleitern“ gegenüber, haben wir die Wahl, ob wir uns von ihnen beeinflussen lassen, und wie stark. Die Entscheidung in der Entscheidung.

„Wer darauf besteht, alle Faktoren zu überblicken, bevor er sich entscheidet, wird sich nie entscheiden.“Henri-Frédéric Amiel

Bei allen Entscheidungen, die wir unterbewusst treffen, greift unser Gehirn auf Routinen zurück. Diese beruhen auf unseren Erfahrungen, die wir bis zu diesem Zeitpunkt gemacht haben.

Die restlichen 5% die wir bewusst entscheiden, werden von uns rational und vernünftig entschieden. Oder?

Bis vor Kurzen ist die Wissenschaft davon ausgegangen, dass Entscheidungen im Neocortex in unserem Gehirn getroffen werden. Dies ist ein Teil der Großhirnrinde, der essentiell beim Erlernen von Geschicklichkeit und komplexen Aufgaben ist. Es wird beschrieben, dass wir nach sorgfältiger Abwägung aller Gegebenheiten und Konsequenzen uns frei innerhalb dieses Teil des Gehirns entscheiden.

Die Neurobiologie ist jedoch dabei, diese These zu widerlegen und das Gegenteil zu beweisen. Denn nach neuen Erkenntnissen, fällt das limbische System (Reptilienhirn) Entscheidungen für uns. Der älteste Teil unseres Gehirns trifft diese sogar bis zu sechs Sekunden eher, bevor uns das überhaupt bewusst wird. Der Neocortex, unser Verstand, denkt nur, dass er diese getroffen hat. Er begründet Entscheidungen mit Erfahrungen, Argumenten und Geschichten, die aus der Richtigkeit abgeleitet werden. Somit erklärt er uns plausibel die Entscheidung, die auf unseren persönlichen Gefühlen basiert. Also doch nicht so objektiv, wie wir annehmen.

Dabei kennt unser Reptilienhirn nur zwei Reaktionen: Die Zustimmung von positiven Reizen und die Vermeidung von negativen.

Neben unseren steuernden Motiven, nach denen wir priorisieren, wird die Entscheidung in unserem limbischen System getroffen. Ausschlaggebend für Zustimmung oder Ablehnung sind die limbischen Instruktionen und die Konditionierung des jeweiligen Entscheides auf eine der drei Hauptkategorien. Balance, Dominanz und Stimulanz. Diese ergeben sich aus unseren Vitalbedürfnissen (Essen, Trinken, Atmen, Schlafen, Fortpflanzung).

Balance-instruierte Personen stimmen dem Erhalt, der Sicherheit, dem Beharren, dem Ausgleich, der Stabilität zu. Sie lehnen Veränderung und Unsicherheit ab.

Stimulanz-instruierte Personen stimmen Dingen wie Abenteuer, Neues erleben, Entdecken, Ausprobieren zu und neigen sich von Langeweile und Stillstand ab.

Dominanz-instruierte Personen streben nach Kontrolle, Macht, Siegen, Durchsetzungswillen, Führung, Mut, Status, Autonomie und Revieren. Sie setzten alles daran Kontroll- und Machtverlust zu vermeiden.

Wir können also unsere Entscheidungen unbewussten Instinkten und Konditionierungen unseren Entscheidungen überlassen, Diese prüft, ob unser „Bauchgefühl“ auch das Richtige wählt.

Möchten wir strukturiert und objektiv vorgehen, so können wir bei der Entscheidung verschiedene Aspekte einbeziehen:

Aufgabe und Ziel/ Absicht

Diese möglichst genau spezifizieren. Was möchte ich erreichen? Was möchte ich sicherstellen? Wie ist dies messbar, was sind die KPIs? Was sind die Erfolgskriterien? Was ist die maximale und minimale Anforderung an das Ergebnis?

Daten und Fakten

Diese sammeln und bewerten. Was ist wichtig? Wo liegt die Priorität? Welche Fakten sind für mich und welche für mein Umfeld wichtig?

Lösungswege

Identifizieren und realisierbar machen. Gibt es einen oder viele?

Risiken und Chancen

Erkennen und betrachten. Welche sind größer, welche kleiner?

Erfahrungswerte

Die persönlichen Erfahrungswerte berücksichtigen, sowie Referenzen aus unserem Umfeld. Die eigenen Referenzpunkte hinterfragen. Habens sie in dieser Situation noch Gültigkeit?

Betrachten wir Entscheidungen ohne die Konsequenzen, so ergibt sich häufig ein anderer Sachverhalt für uns. Wir können uns selbst fragen, ob wir die Entscheidungen so treffen würden, wenn wir weder Bestrafung noch Belohnung zu erwarten haben. Oder ob wir sie so getroffen hätten, wenn nie jemand davon erfahren hätte.

Der Entscheidungsprozess - treffe die "richtige" Entscheidungen

Eine Entscheidung beinhaltet das Abwägen, das Planen, das Ausführen und das Bewerten. Daraus bildet sich ein Entscheidungsprozess. Und dieser besteht aus mehreren Schritten.

1.Entscheidungsbedarf feststellen

  • präzise Bestimmung der Situation
  • Ziel der Entscheidung
  • Notwendigkeit der Entscheidung
  • Konsequenzen von Nicht-Entscheiden / verzögerter Entscheidung

2.Umfeld der Entscheidung analysieren

  • Klärung der Spezifikationen und Anforderungen an die Lösung (Minimal- und Maximalanforderungen)
  • Entscheidungskriterien
  • Informationsbeschaffung: Erfahrung, Prozess-/ Struktur- / strategisches Wissen, Einschätzung durch MA

3.Alternativen ermitteln und herausarbeiten

  • mindestens fünf Alternativen (die ersten drei sind naheliegend. Danach wird es erst spannend.)
  • spontane und auch abwegigere Alternativen einbeziehen

4.Konsequenzen der Alternativen beurteilen

  • Risiken und Folgen bewerten: SWOT-Analyse (Strength/ Stärken, Weakness/ Schwächen, Opportunies/ Chancen, Threats/ Gefahren)

5.Entscheidung treffen

  • Entscheidungsmethoden: Matrix, OMI, CAF … (Plus – Minus, Zwei-Punkte-Methode, Consider all Facts)
  • Entscheidungskompetenz: Wissen, Information, Erfahrung
  • Entscheidungsfähigkeit: Mut, Tatkraft, intuition

6.Realisierung planen

  • Maßnahmen, Verantwortlichkeiten, Termine

7.Umsetzungen etablieren

  • Feedback, Informationsweitergabe über (Teil-)Erfolge

8.Beobachtung

  • und ggf. Revision der Entscheidung

Durchlaufen wir den Prozess in seinen einzelnen Steps, so durchleuchten wir alle Fakten und Information zur Entscheidung. Auf dieser Basis ergänzen wir die Vorgehensweise im limbischen System und ermöglichen unserem Neocortex über die, bis dahin eigens gemachten Erfahrungen, Argumenten und Geschichten hinaus, Faktoren und Fakten zu finden.

Entscheidungen bewusst und objektiv treffen

Entscheidungen können uns leicht, oder schwerfallen, die Konsequenzen können für unser eigenes Vorhaben „falsch“, oder „richtig“ sein. Beeinflussen wir bewusst Entscheidungen, erweitern wir unseren Handlungs-Freiraum über das Bauchgefühl hinaus.

Alle Faktoren können wir sowieso nicht überblicken, und getroffene Entscheidungen sind besser als Stillstand. Ich habe einen anderen Fokus und mehrere Faktoren um eine kluge Entscheidung zu treffen.

Betrachten wir die Entscheidung objektiv, mit all ihren Seiten, Fakten und Gegebenheit so erzeugen wir für uns selbst das Gefühl, eine gute Entscheidung getroffen zu haben.