Im letzten Artikel haben wir uns die Frage gestellt, wann Entscheidungen im Team schlechte Ergebnisse produzieren. Um dagegen zu steuern, müssen wir die Herausforderungen und Probleme bei Gruppendynamiken erkennen – und am wichtigsten: ansprechen! Der erste Schritt, aber damit ist es noch nicht getan. Was brauchen wir darüber hinaus, damit wir von Gruppenentscheidungen auch wirklich profitieren können?

Ein fruchtbarer Nährboden

Schon bevor eine Entscheidungsdiskussion startet, können wir bestimmte Voraussetzungen schaffen, die uns bessere Entscheidungen im Team ermöglichen. Damit ein zu starkes Harmoniedenken oder die Angst vor Ablehnung einer sachlich analysierten Entscheidung nicht im Wege stehen.

1. Entscheidung/Situation

Überprüfe, ob das Thema der Entscheidung und die Situation selbst überhaupt geeignet sind, diese Entscheidung in der Gruppe zu treffen. Frage dich: Was sind die Vorteile an der Besprechung im Team?

  • Profitiert die Entscheidung davon, verschiedene Sichtweisen einzunehmen und anzuhören?
  • Ist genug Zeit für eine gewinnbringende Diskussion in der Gruppe?
  • Ist es wichtig, dass das Team in die Entscheidung einbezogen wird, um diese besser mitzutragen?
  • Hat die Gruppe alle Informationen und Ressourcen, um eine tragfähige Entscheidung zu treffen?

2. Zielklarheit

Wie soll es zu einem guten Ergebnis kommen, wenn ich gar nicht weiß, wo ich hin möchte? Deshalb: Stelle sicher, dass das Team die Ziele kennt, wenn eine bestimmte Entscheidung im Team getroffen werden soll.

  • Kommuniziere das Ziel der Entscheidung: „Wir brauchen hier eine Entscheidung, um sicherzustellen / zu vermeiden / zu erreichen …“.
  • Können sich alle Mitarbeiter mit den vorgegebenen Zielen identifizieren?
  • Abgesehen von dem eigentlichen, inhaltlichen Ziel können auch Nebenziele eine Rolle spielen, die für die Entscheidung im Team sprechen: Möchte ich als Führungskraft soziale Kompetenzen meiner Mitarbeiter fördern, indem sie im Team diskutieren und gemeinsam eine Entscheidung treffen?
  • Sollen sich meine Mitarbeiter dadurch wertgeschätzter und angehört fühlen?
  • Möchte ich einzelnen Mitarbeitern Raum geben, um sich im Team zu positionieren, indem ich sie fachlich beitragen lasse?

3. Die Gruppe

Welche Gruppenzusammensetzungen sind geeignet, sodass eine Entscheidung im Team einen Mehrwert bietet? Das hängt natürlich von vielen Faktoren ab. Aber als Daumenregel gelten diese Faktoren als begünstigend:

  • Lieber heterogene Gruppen (mit einer Vielzahl von Standpunkten und Perspektiven).
  • Die Gruppe gerne regelmäßig in Subgruppen aufteilen, um inhaltliche Themenaspekte oder Argumente zu erarbeiten.
  • Gegebenenfalls auch externe Experten miteinbeziehen. Oder vielleicht einfach mal einen Kollegen aus einer anderen Abteilung, der einen Blick von außen hat?
  • Und zu guter Letzt: Die soziale Struktur in der Gruppe. Ist die Gruppe so zusammengesetzt und herrscht ein Klima, sodass jeder das Gefühl hat, seine Meinung frei äußern zu können? Wird sichergestellt, dass wirklich alle Meinungen miteinbezogen werden? Sollte beispielsweise die Gruppendiskussion sowieso nur eine „One-Man-Show“ der Führungskraft sein, in der sie zwar zuhört, aber die Entscheidung eigentlich sowieso schon alleine getroffen hat… Naja, wofür dann überhaupt eine Teamdiskussion?

Und dann? Licht und Wasser!

Für einen guten Nährboden zielführender Gruppenentscheidung ist gesorgt. Was noch fehlt, sind Licht und Wasser, um gute Entscheidungen wachsen zu lassen. Nicht nur im Voraus können wir wirksam handeln – auch während der Diskussion gibt es Methoden, die uns als Team bessere Entscheidungen treffen lässt.

Ein beliebter Weg: Des Teufels Anwalt miteinbeziehen. Klingt zunächst nicht besonders verlockend – ist aber ein sehr geeignetes „Heilmittel“ gegen Groupthink und eine relativ einfach anzuwendende Methode.

  • Anwendung: Ein Kollege oder eine Kollegin übernimmt in der Diskussion die Rolle des Teufelsanwalts – und stellt fortlaufend den Konsens der Gruppe in Frage. Das heißt: Das Teammitglied bringt so viele Einwände und Gegenargumente, wie ihm nur einfallen – und kann es dabei auch auf die Spitze treiben.
  • Wirkung: Da der Person ausdrücklich diese Rolle zugeteilt wird, gibt es auch weniger Hemmungen, (auch mal unangenehme) Kritik zu äußern. So haben die Teammitglieder die Chance, über ihre Sichtweisen genauer nachzudenken und gegebenenfalls zu ändern.
  • Zu beachten: Voraussetzung hierfür ist natürlich, dass die Kommunikationsqualität gut ist – Kritikfähigkeit und Ehrlichkeit gefordert werden und kritische Fragen als konstruktive Ansatzpunkte wahrgenommen werden. Kritiker also zu belohnen, indem man ihnen beispielsweise klar mitteilt: „Vielen Dank für diesen wichtigen Einwand - das müssen wir berücksichtigen.“

Trefft die Entscheidung, die besten Entscheidungen zu treffen

Beste Voraussetzungen, um das Team hin zu einem „kritischen Rationalismus“ zu lenken - und die Gefahr von Fehlentscheidungen zu minimieren. Ihr habt es in der Hand, Gruppenentscheidungen erfolgreich zu machen. Ein offenes Mindset gegenüber den Herausforderungen, den Mut, diese anzusprechen und das Know How, wie sie gemeistert werden können: Das Grundrezept für Gruppenentscheidungen, die individuelle Entscheidungen alt aussehen lassen. Damit vier Augen wieder mehr als zwei sehen.


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