Ich sehe was, was du nicht siehst – und du siehst was, was ich nicht sehe.

Wenn wir uns im Spiegel betrachten, dann sehen wir uns nicht nur physisch, sondern auch gedanklich. Denn wir haben ein Bild, eine Meinung, einen Eindruck von uns selbst.

Wen siehst du in deinem Spiegelbild? Ist es das gleiche, was unsere Mitmenschen sehen? Nein. Denn die Wahrnehmung jedes Menschen setzt sich aus seinen eigenen Erfahrungen, Meinungen und seiner Persönlichkeit zusammen. Somit sieht jeder die Welt - und damit jeden Menschen - durch seinen eigenen „Filter“.

Wir können nicht direkt bestimmen, wie jemand uns sieht. Dennoch können wir es beeinflussen. Wie das geht? Mit Feedback.

Unsere Wahrnehmung und unser Selbstbild

Was wir von uns selbst halten und denken, ist das Selbstbild.  Es ist geprägt durch unsere Erfahrungen, Werte und Wahrnehmung und orientiert sich an unserer Idealvorstellung von einem Charakter. Auch die Bilder, die wir von unseren Mitmenschen haben, richten sich nach diesen aus. Ein Kind, das zum Beispiel mit Werten wie Offenheit und Toleranz groß geworden ist, wird danach auch sich selbst und andere beurteilen.

Über die Jahre sammeln wir Erfahrungen und unsere Werte verändern sich. Das heißt auch, dass sich unser Selbstbild kontinuierlich verändert.

Gegenüber vom Selbstbild steht das Fremdbild, das Bild, das eine Person von uns hat.

Dabei gibt es nicht universell ein Fremdbild. Jede Person hat ein anderes Bild von uns, welches sich nach den individuellen Werten und Kriterien der Person richtet. So werden unsere Kollegen uns nach anderen Dingen bewerten als unsere engsten Freunde.

Die Differenz zwischen Selbstbild und Fremdbild

Wenn wir diese beiden Bilder vergleichen, stellen wir vielleicht fest, wie groß der Unterschied ist. Was sieht er/sie, was wir nicht sehen?

Je größer die Lücke, desto unwohler fühlen wir uns. Denn dadurch besteht zum Einen ein Konfliktpotenzial mit unseren Mitmenschen. Durch stark auseinander gehende Bewertungen und Einschätzungen sind verschiedenen Standpunkte vertreten. Diese wirken auf Jeden unterbewusst ein, und können zu Meinungsverschiedenheiten führen. Die Konfliktlösung ist dabei nicht immer einfach, weil es um innere, persönliche Werte geht.

Unwohl fühlen wir uns auch, wenn wir ein bestimmtes, aber fremdes Image von uns aufbauen und erhalten möchten. Denn der Aufbau und die Erhaltung eines „anderen“ Images unserer Person ist anstrengend. Solch eine Verstellung fühlt sich meist unwohl an, da wir „unnatürlich“ unserem Charakter gegenüber agieren. Da ist es besser, das Motto „Sei du selbst.“ zu beherzigen. Das fühlt sich einfach besser an.

Der Abgleich des Selbstbilds und des Fremdbilds ist aber nicht nur interessant, um uns aus einer anderen Sicht zu sehen. Denn was wir dabei entdecken können: Wo wir in unserer persönlichen Entwicklung stehen. Welche Skills und Fähigkeiten wir bereits gut ausgebaut haben, und auf welche Stellen wir unseren Fokus legen können.

Entspricht das erhaltene Fremdbild jedoch eines älteren Bilds von uns, können wir ansetzen, dieses zu überschreiben.

Der Wink mit dem Zaunpfahl zum neuen Ich – Feedback geben & erfragen

Möchten wir unser Fremdbild in unserem Umfeld verändern, so müssen wir zur Quelle gehen. Wir holen uns Feedback.

Fragen wir bei Kollegen oder unserem Chef nach Feedback, so lösen wir damit einen Prozess aus. Das Bild, welches die Person von uns hat, wird mit dem, welches er in diesem Moment sieht, verglichen. Haben wir uns in letzter Zeit sichtlich verändert, so wird er dies erkennen. Wir überschreiben das alte Bild mit dem Neuen.

Einzige Voraussetzung: Wir sollten uns auch verändert haben und dies sichtbar gezeigt haben.

Feedback einholen ist eine Methode, mit der aktiv und längerfristig ein neues Fremdbild geschaffen werden kann. Besonders wenn wir bereits länger in einem Unternehmen sind. Denn ohne die Nachfrage würde sich das Bild, welches sich bei den anderen gebildet hat, nicht verändern.

Wie bei einem normalen Feedback-Gespräch, gelten die gleichen Regeln. Ein klares Ziel sollte gegeben sein. Dafür sagen wir unserem Gesprächspartner offen und verständlich, wofür wir das Feedback benötigen.

Nur durch klare Kommunikation, kann sich eine klare Antwort ergeben. Je gezielter das Feedback ist, desto erfolgreicher wird das Überschreiben des Fremdbildes.

Wir selbst sollten dabei sicher sein, dass wir mit den ehrlichen Antworten auch umgehen können. Das sollte ebenso kommuniziert sein. Denn halbe Wahrheiten tun niemandem einen Gefallen. Durch das Gespräch selbst zeigen wir, auf welches Ziel wir hinarbeiten und welche positiven Veränderungen möglich sind. Das zeigt unserem Gegenüber nicht nur unsere eigene Motivation, sondern gibt Impulse, sich ebenso weiterzuentwickeln.

Fordere dein neues Fremdbild ein

Veränderung braucht Zeit. Nur durch kontinuierliches, dauerhaftes Abholen von Feedback erreichen wir eine Veränderung des Fremdbilds. Das dabei erhaltene Fremdbild bietet uns eine Chance, unsere Persönlichkeit und unseren Charakter zu erweitern und auszubauen.

Weiterhin gilt es auch den Blick nach innen zu richten: Wie gehen wir mit unserem Selbstbild um? Wie können wir dies verändern?