Das Projekt ist gerade zu einem wirklich erfolgreichen Ende gekommen, du hast dafür ein Lob vom Chef bekommen, deine Party am Wochenende lief echt gut… Von allen Seiten bekommst du positive Rückmeldung … und dennoch: Du fühlst dich, als wäre das einfach nicht dein Verdienst. Irgendwie beschleicht dich das Gefühl, dass das nur Zufall war, dass so etwas doch eigentlich jeder kann, dass die anderen ja eigentlich viel mehr beigetragen haben… Kennst du solche Situationen? Finde heraus, woran es liegt, dass wir uns selbst für Erfolge nicht richtig feiern können und sogar daran zweifeln können, dass diese tatsächlich durch unsere eigenen Fähigkeiten und Leistungen entstanden sind.

Das Hochstapler-Syndrom

Starke Selbstzweifel trotz offensichtlicher Erfolge sind als psychologisches Phänomen bekannt: das Hochstapler-Syndrom. Betroffene zweifeln so lange an ihren eigenen Fähigkeiten und Leistungen, bis sie unfähig sind, ihre persönlichen Erfolge zu internalisieren – sprich, Erfolge sind immer „nur Zufall“ oder durch äußere Umstände entstanden. Das kann so weit gehen, dass Betroffene sogar ständig Angst haben, als Hochstapler entlarvt zu werden. Das ist natürlich kein schönes Gefühl und eigentlich völlig unberechtigt – aber trotzdem einfach da. Hast du dich schon einmal ähnlich gefühlt? Schätzungen zufolge geht es 70% aller Berufstätigen im Laufe ihres Lebens mindestens einmal so. [1] Lange Zeit ging man davon aus, dass hauptsächlich Frauen davon betroffen sind – in neuen Untersuchungen herrscht jedoch fast Gleichstand mit Männern. Jeder von uns zweifelt mal an sich selbst und das ist völlig okay! Wenn die Selbstzweifel aber Überhand nehmen und wir uns gar nicht mehr richtig über unsere Erfolge freuen und aus ihnen Kraft zehren können – dann sollten wir handeln.

Mache den Selbstcheck…

… und überprüfe, ob folgende Fragen auf dich zutreffen [2]:

  • Ich mag keine Komplimente.
  • Ich bitte (fast) nie um Hilfe.
  • Ich bin nicht gut genug in dem, was ich tue.
  • Ich kann mich nicht über Erfolge freuen, oder wenn – dann nur ganz kurz.
  • Ich bin mir sicher, dass mich mein Umfeld überschätzt.
  • Ich lege großen Wert darauf, was andere denken.
  • Ich habe ständig Angst oder Bedenken, dass andere merken, dass ich gar nicht richtig qualifiziert bin für meine Tätigkeit.

Und, wie ist dein Fazit? Je mehr Fragen du mit „stimmt nicht“ beantworten konntest, desto positiver ist dein Selbstbild – super! Falls du doch einige Fragen mit „stimmt“ beantwortest hast – keine Angst! Das heißt natürlich nicht, dass das Hochstapler-Syndrom voll auf dich zutrifft. Aber es kann dir einen Hinweis liefern, dass du mehr kannst, als du dir zutraust.

Tipps für ein besseres Selbstbild

Die beste „Therapie“, um Selbstzweifeln gegenzusteuern und die eigene Selbstwahrnehmung zu fördern: zu wissen, dass das Hochstapler-Syndrom existiert. Und dass sich sogar sehr viele Personen weniger zutrauen, als sie tatsächlich können.

Was du konkret tun kannst:

  • Erfolgserlebnisse: Wusstest du, dass aktuelle Erfolge vielmehr durch frühere Erfolge entstehen als durch die tatsächliche aktuelle Leistung? Verrückt, oder? Dahinter steckt der Matthäus-Effekt, der besagt, dass sich unsere Wahrnehmung und Aufmerksamkeit unbewusst auf Erfolge ausrichtet, wenn wir früher schon Erfolge hatten. Das bedeutet: Sorge dafür, dass du Erfolgserlebnisse hast. Das gelingt dir, indem du dir realistische Ziele in einem realistischen Zeitrahmen setzt – auch von sehr kleinen Erfolgen profitierst du! Gleichzeitig solltest du immer einen Plan B haben: Was tust du, wenn etwas nicht gelingt, wie gehst du mit Risiken und Hindernissen um? Und dann: Benenne deine Erfolge klar, um sie auch konkret wahrzunehmen. Das führt zu einer positiven Selbstwirksamkeitserwartung, was wiederum zu mehr Erfolgen führt.
  • Umgang mit Fehlern: Passiert dir doch mal ein Fehler, dann versuche diesen im Kontext zu betrachten. Liegt es wirklich daran, dass deine Fähigkeiten nicht ausreichen? Oder zum Beispiel eher daran, dass Kollege X schlecht kommuniziert hat, oder an den dynamischen Umständen…? Außerdem: Jeder hat mal einen schlechten Tag – das heißt nicht, dass deine Fähigkeiten nicht ausreichen.
  • Rückmeldung einholen: Sich bei Freunden, Familie, Kollegen, … Feedback einzuholen ist immer eine gute Idee. Was du außerdem tun kannst: Die Problematik, dass du dich meist „nicht gut genug fühlst“, konkret ansprechen. Sicherlich bist du nicht der Einzige, der dieses Gefühl kennt.
  • Überlege, was im schlimmsten Fall passieren könnte. Wenn du beispielsweise eine Präsentation nicht gut über die Bühne bringst – was ist dann? Wird dich deine Familie weniger lieben, wirst du dein Hab und Gut verlieren? Oft sind unsere Sorgen weit schlimmer, als die tatsächlichen Konsequenzen wären.
  • Feedback: Erwiesen ist, dass ein Feedback durch den Vorgesetzten eine sehr starke Wirkung erzielt, deine Selbstwahrnehmung positiv zu fördern. Dabei geht es nicht um ein umfangreiches Coaching, sondern: gezielte Rückmeldungen des Vorgesetzten über deine Ergebnisse. Und gemeinsam mit ihm diese Ergebnisse als Erfolge klar zu benennen.

Wir sind oft besser, als wir denken! Vertrau in deine Fähigkeiten und feiere DEINE Erfolge. Mit zahlreichen Sessions im ondojo.


[1] Berufliche Selbstzweifel als Massenphänomen. (2017, 21. Dezember). salzburg.ORF.at. https://salzburg.orf.at/v2/news/stories/2885192/

[2] IKK classic – Hochstapler-Syndrom: Sind deine Selbstzweifel nur Täuschung? (2021). IKK classic. https://www.ikk-classic.de/gesund-machen/arbeiten/hochstapler-syndrom