Netflix erzielte zuletzt einen Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar. Wie sie das schaffen? Das Medienunternehmen versucht möglichst produktive und leistungsstarke Mitarbeiter zu beschäftigen. Und dafür müssen die "Underperformer" leider weichen. Um das hinzubekommen, verwendet Netflix den Keeper Test.

Der Keeper Test als knallharte Auslese?

Die Management-Kultur von Netflix macht seit Längerem schon auf sich aufmerksam. Denn sie benutzt den Keeper Test. Eine Methode, die bereits von „Neutronen-Jack“ Welch benutzt wurde, welcher bis heute als einer der besten Manager aller Zeiten angesehen wird. Dieses Verfahren soll dazu dienen, die bestmöglichsten Mitarbeiter für jede Position zu sichern.

Dabei funktioniert es so: Beim Keeper Test prüfen die Führungskräfte ihre Abteilungen und überlegen bei jedem Mitarbeiter, wie sie sich bei einer Kündigung verhalten würden. Würde die Führungskraft versuchen den Mitarbeiter zu halten, bleibt die Arbeitskraft. Würde die Führungskraft hingegen bemerken, dass sie dem Mitarbeiter ohne größere Probleme gehen lassen könnte, so wird diese Person tatsächlich entlassen. Dieser Prozess passiert in regelmäßigen Abständen. Somit ist es kein Wunder, dass jährlich rund zwölf Prozent aller Mitarbeiter entlassen werden.

Spannung wie im Kino: Der Keeper Test bei Netflix

Hart aber fair - der Keeper Test als Auslese

Das klingt zunächst hart, ist aber ein Ausgleich für die sonst sehr freien Gegebenheiten bei Netflix. Denn die Mitarbeiter dürfen sich selbst aussuchen, wann und wie lange sie Urlaub machen. Und dabei die Reisespesen selbst bestimmen. Auch für Anschaffungen, wie neue Laptops oder Gerätschaften, müssen sie keine Erlaubnis einholen. Und selbst bei der Entlassung nach dem Keeper Test erhalten sie eine große Abfindung.

Selbst vor langjährigen Kollegen macht der Test nicht halt. So auch nicht für Produktionsleiter Neil Hunt, der nach 18 Jahren Anstellung entlassen wurde. Hunt war dazu auch ein enger Freund des Gründers Reed Hastings. Alles egal, wenn der Arbeitnehmer nicht mehr genügend performt.

Schattenseite des Keeper Tests

Hastings beschreibt das selber so:

"(Unsere Manager) sollen sich regelmäßig fragen: Wenn dieser Mitarbeiter kündigen würde, würden wir dann versuchen, ihn zum Bleiben zu überreden – oder würden wir ihn gehen lassen? Wenn wir hart dafür arbeiten würden, ihn zu halten, ist alles gut. Wenn wir ihn aber nicht halten würden, sollten wir ihn besser jetzt schon gehen lassen. Mit einer großzügigen Abfindung. (…) Bereit zu sein, einen guten Mitarbeiter zu feuern, um stattdessen einen fantastischen einstellen zu können, führt zu Spitzenleistungen."

Doch bei den Mitarbeitern selbst herrscht manchmal eine andere Sicht darauf. Denn die Ungewissheit, den Job jederzeit zu verlieren, macht ihnen zu schaffen. So auch die Stimmung, wenn häufig Kollegen von einem Tag auf den anderen die Sachen am Schreibtisch zusammenpacken müssen.

Während der Keeper Test auch oft in der Kritik stand, gibt der Erfolg von Netflix  dem Unternehmen recht. Ob sich die Anwendung im eigenen Unternehmen lohnt, sollte im Einzelfall überlegt werden. Eine solche Methode setzt voraus, dass die Arbeitsplätze attraktiv genug  sind, um das auszugleichen.