Jeder von uns lügt. Unbewusst oder gar aktiv.

Und vor allem, belügen wir uns gerne selbst. Wenn etwas nicht in unsere Ansicht passt, wird es passend gemacht. Die Wahrheit wird verbogen, Informationen ignoriert. Hauptsache, unsere Weltansicht stimmt wieder.

In der Psychologie wird dieses Phänomen kognitive Dissonanz genannt.

Was diese genau ist, und warum das uns von dem Erreichen der eigenen Ziele abhalten kann.

Kognitive Dissonanz: ein Phänomen der Psychologie

Jeder von uns kennt so eine Situation: Wir lesen gerade ein gutes Buch, sehen uns einen spannenden Film an oder sitzen gemütlich mit Freuden zusammen. Die Zeit vergeht, es wird immer später und wir möchten nicht aufhören. Doch am nächsten Tag steht am frühen Morgen ein wichtiger Termin fest, bei dem wir Konzentration, Vorbereitung und Aufmerksamkeit brauchen.

Unabhängig für was wir uns entscheiden: Ein unangenehmes Gefühl hat sich in uns gebildet.

Die Theorie der kognitiven Dissonanz beschreibt den Vorgang, wenn wir uns mit mindestens zwei verschiedenen kognitiven Inhalten konfrontiert sehen, die nicht vereinbar sind. Diese können verschiedenen Gedanken, Wahrnehmungen, Einstellungen und Überzeugungen darstellen.

In unserem Beispiel wäre das der Wunsch „Ich möchte eine gute Zeit haben/ unterhalten werden.“ und der Fakt „um morgen früh fit für das Meeting zu sein, muss ich mich noch vorbereiten, benötige ich ausreichend Schlaf.“

Diese Kluft verursacht in uns einen unangenehmen Gefühlszustand. Diesen möchte unser Verstand, der sich selbst als logisch und rational sieht, beenden und versucht eine der beiden Wahrnehmungen, Ansichten, etc. zu begründen, zu ignorieren oder zu verändern. Es entsteht eine Motivation in uns, aus diesem negativen Zustand heraus zu kommen.

Es gibt verschiedene Situationen und Möglichkeiten, in denen eine kognitive Dissonanz auftreten kann.

Wenn wir die nächsten Schritte unseres Lebens planen, haben wir eine gewissen Vorstellung von diesen. Neue Verantwortungen, eine Weiterbildung, ein Studium oder ein alltägliches Vorhaben wie gesünder essen – wir wissen, dass es mit einem gewissen Aufwand und Disziplin verbunden ist. Wenn diese Erwartung aber nicht erfüllt wird, unsere Situation sich als anstrengender, zeitaufwendiger oder weniger erfolgversprechend erscheint ist als zunächst angenommen, so entsteht eine Kluft zwischen unserer Vorstellung und der Realität.

Ebenso kann kognitive Dissonanz nach Entscheidungen auftreten. Fällt uns im Nachhinein auf, dass die Konsequenzen unserer Entscheidung schlechter für uns sind, entsteht Dissonanz.

Weiterhin tritt dieses Phänomen auch bei unserem Verhalten und Tätigkeiten auf. Wir tun Dingen, von denen wir wissen, dass sie schlecht für unsere Gesundheit, unseren Erfolg, unsere Beziehungen, unsere Entwicklung sind.

Wir wissen, dass Rauchen ungesund ist. Wir wissen, dass wenig Schlaf unsere Leistung beeinträchtigt. Dennoch gehen wir oft zu spät ins Bett.

6 Arten um kognitive Dissonanz auflösen

Erkennt unser Verstand eine Kluft zwischen Wahrnehmung, Ansichten, Einstellungen, etc., versucht es auf unterschiedlichen Arten diesen Zustand zu beenden. Bleiben wir bei dem ersten Beispiel, bei dem Kognition 1 „Ich schaue häufig spätabends Fernsehen“ und Kognition 2 „Wir brauchen genügend Schlaf um fit für den nächsten Tag zu sein“ gegeben sind.

1.Hinzufügen von Argumenten – Addition konsonanter Kognitionen

Um die Differenz zu überbrücken, fügen wir Argumente, Erklärungen zu den ursprünglichen Gedanken, um diesen zu unterstützen und bekräftigen, z.B. „Ich möchte den Film zu Ende sehen.“

2.Vermeidung von Information – Subtraktion dissonanter Kognitionen

Bei dieser Art der Reduzierung vermeiden wir Informationen die eine der beiden Kognitionen entkräftet. Wir ignorieren Fakten, Erkenntnisse und Informationen, die z.B. bestätigen, dass Menschen ausreichend Schlaf für gute Leistungen brauchen.

3.Hervorheben von positiven Bereichen – Substitution dissonanter durch konsonante Kognitionen

Wir erkennen zwar beide Kognitionen an, versuchen aber durch die Hervorhebung andere, unabhängiger Bereiche, das Gesamtbild aufzuwerten. Z.B. „Zu wenig Schlaf mag zwar meine Leistung vermindern, aber dafür habe ich das letzte Projekt mit Erfolg abgeschlossen.“

4.Erhöhung der Wichtigkeit dissonanter Kognitionen

In diesem Fall bewerten wir den Stellenwert des Werts oder der Ansicht als viel wichtiger, als wir es zuvor getan haben. Somit ist die eine Kognition viel wichtiger geworden, und überschattet die Zweite. Z.B. „Ich brauche zwar viel Schlaf, um Leistung zu bringen, aber mir ist am wichtigsten, dass ich Spaß habe und das Leben genieße.“

5.Trivialisierung – Reduktion der Wichtigkeit dissonanter Kognition

Hier passiert genau das Gegenteil der vorherigen Art. Wir entkräften eine der beiden Kognitionen, und bewerten diese als weniger wichtig oder gar unwichtig. Z.B. „Viel Schlaf ist überbewertet – ich kenn meinen eigenen Körper am besten!“

6.Veränderung und Anpassungen

Eine weitere Möglichkeit, um kognitive Dissonanz abzubauen, ist die Veränderung und Anpassung unserer Werte, Meinungen und Ansichten. Stehen wir vor einer Dissonanz, können wir uns bewusst entscheiden, welche Kognition relevanter und logisch wichtiger für uns ist. Den Wert der verliert, wird angepasst. In unserem Beispiel stufen wir den ausreichenden Schlaf als besser für uns ein. Demnach verändern wir das Verhalten spätabends Fernsehen zu schauen.

Dies ist die schwierigere und längerfristige Art Dissonanzen aufzulösen. Ist aber weitaus lohnender für uns und unsere Weiterentwicklung.

Diese Arten der Reduzierung von Dissonanz kann unsere Psyche auswählen, wenn wir vor einer kognitiven Dissonanz stehen. Jedoch kann es auch vorkommen, dass wir bereits vor der Entstehung, einer solchen vorbeugen. Aus unseren Erfahrungen heraus, ahnt unser Verstand, wo es Möglichkeiten eines Unterschieds geben könnte.

Ziele setzten und erreichen: Raus aus der kognitiven Dissonanz

Besonders häufig kommt dies vor, wenn wir uns Ziele setzen möchten. Beruflich oder privat.

Wir lehnen mögliche Ziele und Visionen im Vorfeld bereits ab, weil unser Verstand vor einer Dissonanz vorbeugen möchte. Denn setzten wir uns ein Ziel, was wir nicht erreichen, stehen wir erneut vor zwei auseinanderklaffenden Ansichten: Unsere Fähigkeiten, unser Selbstbild, unsere Überzeugung gegenüber dem Fakt, dass wir es nicht erreicht haben.

Ähnlich kann es bei anstehenden Prüfungen oder Abgaben sein: Wir sagen von vorneherein, dass kein gutes Ergebnis herauskommt, um uns selbst vor der Enttäuschung zu bewahren.

Das kann so weit gehen, dass wir uns regelrecht selbst sabotieren, indem wir die Vorbereitung auf solch Situationen verändern, nur um ein Scheitern nicht eingestehen zu müssen. Ein schlechtes Ergebnis, ein nicht erreichen eines Zieles, wird dann mit der mangelnden Vorbereitung gerechtfertigt. Somit muss unser Verstand nicht mühsam die Werte verändern.

Doch möchten wir unsere Ziele wirklich aus Bequemlichkeit unterirdisch ansetzen oder gar überhaupt nicht?

Um dies zu vermeiden, müssen wir uns bewusst machen: Warum lehne ich das Ziel ab?

Dazu sind zunächst die eigenen Werte zu überprüfen. Sehe ich mich als fleißig? Als fähig die Aufgabe zu schaffen? Betrachten wir unsere Selbsteinschätzung und unsere Werte, so fällt auf, wo Annahmen (Hindernisse) sind, mit denen das gesetzte Ziel eine Dissonanz erzeugen könnte. Genau diese können wir dann verändern, ausbauen oder anpassen um Erfolg zu haben.

Genauso sind die Ziele selbst zu überprüfen. Sind diese realistisch? Zu hoch oder zu niedrig angesetzt, reicht die Zeitvorgabe, die Ressourcen?

Sinnvoll ist auch eine Überprüfung des Umfeldes.  Holen wir uns Feedback von Freunden, Kollegen, Mitarbeiter, vorgesetzten. Auch in diesen Feedback-Gespräch können diese Feedback-Regeln wichtig sein.

Haben wir die Meinungen, Ansichten und Erfahrungen unseres Umfelds abgeholt, können wir unsere Ziele mit der Umsetzbarkeit und Realität abgleichen und Stellschrauben nachjustieren.

Mit dem guten Gefühl der realistischen Erreichbarkeit an die Aufgaben gehen.

Bewusst kognitive Dissonanz abbauen

Unser Verstand gaukelt uns gern einiges vor. Wir selbst haben jedoch die Wahl, ob wir das so akzeptieren. Machen wir uns bewusst, wann wir kognitiven Dissonanzen erleben und lösen uns eigenständig aus diesen.

Für unsere Weiterentwicklung, unser Selbstbild für und unseren persönlichen Erfolg.