In der Zusammenarbeit treffen die unterschiedlichsten Menschen, mit unterschiedlichsten Bedürfnissen und Motivationslagen aufeinander. Kein Wunder, dass dort Potenzial für Konflikte entsteht.

Bleiben aufkeimende Konflikte unbemerkt, so können sie massiv die Stimmung, das Wohlfühlen und somit die Produktivität eines Menschen oder eines Teams beinträchtigen. Hat unser Umfeld einen Konflikt mit uns, so betrifft uns das direkt und unsere Wirksamkeit.

Erkannte Konflikte laufen lassen, bis die Dynamik eine Situationslage hervorgebracht hat, um in eine Lösung zu steuern, erfordert eine hohe Aufmerksamkeit. Und, um Schaden einzudämmen, eine vorausschauende Kommunikation in Richtung der Betroffenen und Beteiligten. Der Vorteil kann sein, dass auf systemischer Ebenen perspektivische Lösungen entwickelt werden, die von Konflikten aufgezeigt wurden. Auf personeller, organisationaler und prozessualer Ebene.

Vorsehen ist also besser als Nachsehen.

Doch wie erkennen wir einen Konflikt?

Wie bei einem Bilderrätsel, bei dem die Unterschiede gefunden werden sollen, so können wir unser Umfeld betrachten. Hat sich in diesem etwas verändert? Was ist in letzter Zeit vorgefallen?

Verhalten sich Kollegen und Mitarbeiter uns gegenüber anders, als zuvor? Hat sich die Stimmung im Team geändert? Der Umgang kann das erste Indiz sein, dass ein Konflikt vorliegt.

Wenn wir in Situationen mit unserem Umfeld auf unterschiedliche Interessen, Werte, Meinungen oder Ziele stoßen, so sollten wir hellhörig werden. Auch wenn wir verschiedene Erwartungen, Annahmen, Informationen oder Wissen erkennen, könnte Bedarf bestehen, dies weiter zu beobachten. Lösen oder klären wir diese Differenzen nicht, und es verändert sich der Umgang mit uns, so können wir davon ausgehen, dass ein Konflikt vorliegt. Denn all die oben genannten Aspekte, können typische Ursachen dafür sein.

Ebenfalls lässt sich ein Konflikt an seinen negativen Auswirkungen erkennen.

Neben der Frage nach dem WAS, kann uns die Frage nach dem WO ebenso weiterhelfen, einen Konflikt zu erkennen. Denn die Ursachen können in verschiedenen Bereichen auftreten.

Persönlich: Emotionale Ebene

  • Eine bewusste oder unbewusste Reaktion, die sich als Rachebemühung zur Kompensation von Zurechtweisungen, Abweisungen und verlorenen Machtkämpfen äußern kann
  • Unsicherheiten, Unausgeglichenheit – einsilbige Beteiligung: Personen fühlen sich ungerecht behandelt, oder andere bevorzugt

Systeme: Strukturen und Rollen

  • Bei der Aufteilung von Informationen, Ressourcen, Macht und Status
  • Verletzung des tatsächlichen oder ideellen Territoriums: Eindringen in den persönlichen Bereich oder Aufgaben eines Anderen

Prozesse

  • Veränderung führen zu Unsicherheit und Stress
  • Veränderte Anforderungen der Umwelt, des Marktes, der Aufgaben etc. lösen Unsicherheiten und Stress aus
  • Prozesse sind nicht förderlich oder nicht mehr zeitgemäß unterstützen Konflikte

Methodik

  • Überforderung durch Art oder Menge der gestellten Aufgaben, wenn die Umsetzung nicht gewährleistet ist
  • Doppelbödige Kommunikation: Gedachtes und Gesagtes stimmen nicht überein und lösen Unklarheiten und Irritation aus

Wenn wir wissen an welchen Stellen Konfliktpotenzial besteht oder auftauchen könnte, so können wir uns bewusst sensibilisieren und empfänglicher für die Signale werden.

Haben wir erkannt, dass andere einen Konflikt mit uns haben, so stellen wir uns diese Frage: Wo liegt das Problem oder was ist der Auslöser? Auch hier gibt es mehrere Möglichkeiten.

Sind mein Verhalten oder meine Taten das Problem? Oder liegt es bei unserem Gegenüber, der seinen Unmut oder vielleicht sogar Frust an uns auslässt? Habe ich meinen persönlichen Ballast mit in das Gespräch genommen? Je nachdem auf welcher Seite die Ursache liegt, so verändert sich auch der Umgang damit und die Lösungsfindung.

Denn damit befinden wir uns bereits direkt in der Frage, auf welcher Ebene der Konflikt liegt: Auf der Sachebene oder auf der Beziehungsebene?

Diese Erkenntnis ist von Bedeutung, da Konflikte auf der Beziehungsebene vor jenen auf der Sachebene gelöst werden sollten.

Lösen wir einen Sachkonflikt auf einer nicht intakten Beziehungsebene, wird bei nächster Gelegenheit wieder ein Sachkonflikt – ersatzweise für den nicht gelösten Beziehungskonflikt - ausgetragen.
Wir können den Konflikt isolieren und beide Parteien können aus dem Blickwinkel der Tatsache, dass eine Zusammenarbeit nicht vermieden werden kann, den Konflikt genauer zu  betrachten:

  • Was war der Auslöser? Braucht die aktuelle Situation eine Aktion?
  • Worauf ist im Umgang miteinander in Zukunft zu achten?

Um in Zukunft Konflikte zu vermeiden, können wir uns selbst die Frage stellen: Was ist unser Anspruch an das Miteinander?

Erfülle ich meine Anforderungen wie Ehrlichkeit, Respekt oder Offenheit auch im Gespräch mit meinem Gegenüber?

Sind wir uns im Klaren, wie wir behandelt werden möchten, so fällt es leichter dieses selbst anzuwenden.

Besonders in der Position einer Führungskraft kann die Erkennung von Konflikten zu Erfolg oder Scheitern führen. Denn Konflikte gefährden die Erfüllung der Verantwortung und der Vorbildfunktion.

Mit unserem Verhalten nehmen wir großen Einfluss auf unsere Wirkungskreis. Sich seiner Selbstwirksamkeit bewusst zu sein, lässt uns erkennen, welchen Einfluss wir haben, und wie wir die eigenen Mitarbeiter beeinflussen.

Unsere vorgelebte Kommunikation kann als Maßstab dienen und von den Mitarbeitern übernommen werden.

Weiterhin können wir unseren Mitarbeitern Teil-Verantwortung über

die Konfliktbewältigung übertragen. Das Bewusstsein zur Erkennung schaffen und die Mittel zur Bewältigung weitergeben. Damit kann eine höhere Bereitschaft zur Lösung von Konflikten geschaffen werden und vielen möglichen Konflikten vorgebeugt werden.  

Konflikte tauchen immer wieder auf. Ob diese unbewusst vor sich her brodeln, oder ob wir sie bewusst lösen und aus der Welt schaffen, liegt in unserer Hand.

Beachten wir die verschiedenen Signale und Indizien, können wir diese gleich an der Wurzel anpacken. Lassen wir das Unkraut gar nicht erst wachsen. Sondern machen uns und unseren Mitarbeitern bewusst, welche Konsequenzen kleine, nicht gelöste Konflikte mit sich bringen können. Und welche Chancen in einer Konfrontation und Lösung liegen können und, dass die Fähigkeit dazu sich erst entwickeln kann, wenn der erste Schritt der Offenlegung und des Ansprechens eines Konfliktes oder einer unliebsamen Situation gegangen wird.

Jedoch können wir nicht nur mit Anderen einen Konflikt haben, sondern auch im Inneren. Wie diese aussehen, könnt ihr hier lesen.