Nach vielen Wochen und Monaten im Home Office ist es bei den meisten nun langsam so weit: Die Arbeit findet zunehmend wieder im Büro statt. Fragt man diejenigen, die in den letzten Monaten im Home Office waren, nach ihrer größten Herausforderung in dieser Zeit, kommen häufig Antworten wie „Isolation“ oder „fehlender Kontakt mit den Kollegen“. Menschen sind von Natur aus gesellig, wir leben von menschlicher Interaktion und dem Umgang mit anderen – und das läuft im Home Office natürlich ganz anders, als wir es aus dem Büroalltag kennen. Virtuelle Kommunikation hat Vor- und Nachteile.  Doch wie können wir diese für uns nutzen – und wie gelingt uns eine gewinnbringende Kommunikation im Büro nach so langer Zeit „online“?

Kommunikation und Interaktion im Home Office – was ist anders?

  1. Die Deutung/Interpretation von Emotionen. Im virtuellen Kontakt ist es deutlich schwieriger, die Emotionen des Gegenübers wahrzunehmen und richtig zu interpretieren. Nicht nur im Chat, per E-Mail oder im Telefonat, auch im Videochat fehlen uns Informationen, die ein persönliches Gespräch bieten kann. Ein Teil der Gestik, die Stimmung im Raum und die manchmal schlechte Internetverbindung sorgen dafür, dass die Deutung von Emotionen zum Ratespiel werden kann. Zusätzlich unterscheiden sich der räumliche und zeitliche Kontext des Senders und Empfängers bei Chatnachrichten und Mails – das bedeutet mehr Interpretationsmöglichkeiten des Geschriebenen durch Beeinflussung durch die Uhrzeit oder momentane Stimmung, Situation, Auslastung etc. des Senders und Empfängers.
  2. Umgang mit Konflikten. Grundsätzlich können Konflikte durch Kommunikation gelöst werden – oder gar erst durch Kommunikation entstehen. Durch die eingeschränkte Gestik und Mimik können Verärgerung, Einsilbigkeit oder unterschwellige Wut jedenfalls schwieriger wahrgenommen werden. Sind Konflikte erst einmal da, ist es außerdem komplizierter sie zu lösen aufgrund der größeren Distanz und der Schwierigkeit, in direkte, offene und persönliche Kommunikation zu treten. Gleichzeitig kann es passieren, dass die Beteiligten Konflikte gar nicht erst lösen möchten. Bei einem virtuellen Kontakt behält man die Kontrolle: Wenn einem nicht passt, was der andere mitteilt, kann man sich ja „ausloggen“ – und den Konflikt somit umgehen.
  3. Das „Wir-Gefühl“. Langfristig verändert die virtuelle Welt auch unseren Team Spirit. Was im Büro ganz normal ist - ein wenig Flurfunk hier, ein kurzes Pläuschchen bei der Mittagspause über das Wochenende –, findet virtuell viel weniger statt, weil Kommunikation aktiv initiiert werden muss und nicht „einfach so“ stattfindet. Sich persönlich zu sehen hat außerdem eben doch eine andere Qualität und es ist virtuell schwieriger, ein richtiges „Wir-Gefühl“ zu entwickeln.

Das Home Office bietet andererseits auch klare Vorteile in der Kommunikation, zum Beispiel die optimale Nutzung von Wissensressourcen: Der Pool aus Experten, mit denen wir kommunizieren können, ist international groß. Manch einer berichtet zudem, dass ein viel effizienteres Arbeiten als in einem geräuschvollen Großraumbüro möglich ist - eben WEIL weniger (ungerichtete) Kommunikation (und dadurch Ablenkung) stattfindet. Schriftliche Kommunikation kann zudem Verbindlichkeit und Klarheit schaffen.

Fakt ist jedoch, dass viele gerne zurück ins Büro gehen, manche sogar müssen – und wir vor Ort nicht genauso weiter kommunizieren können wie online. Das hat Konsequenzen für die Zusammenarbeit und Interaktion – ein „Ausloggen“ oder Ignorieren, wenn einem etwas nicht passt, ist schließlich nicht mehr drin.

Worauf du in deiner Kommunikation achten solltest, wenn du wieder im Büro bist

1. Unstimmigkeiten sofort ansprechen. Im Büro ist ein Ausweichen schlichtweg nicht möglich – besser ist es also, auch Kleinigkeiten, die dich stören, oder Unklarheiten, sofort anzusprechen.

2. Ein klärendes Gespräch, wenn schon länger etwas im Argen ist. Den Kollegen einfach bis zur Rente ignorieren? Virtuell vielleicht möglich – im Büro sorgen nicht geklärte Konflikte jedoch für eine schlechte Atmosphäre und hindern alle Beteiligten. Ein persönliches Klärungsgespräch face to face ist respektvoll und bietet die Möglichkeit, dass alle Beteiligten wieder mit-, statt gegeneinander arbeiten.

3. Für ein gutes Miteinander sorgen.

  • Respekt: Im Büro kann die Versuchung groß sein, sich auch mal an Klatsch und Tratsch zu beteiligen. Hier solltest du dich lieber zurücknehmen – statt ins selbe Horn zu blasen, stell dir lieber die Frage: Welchen Vorteil könnte eine Person haben, indem sie über eine andere lästert? Auch Rücksichtnahme und ein respektvolles Auftreten sind im Büro anders als virtuell – sei es Abstandhalten zu Kollegen als Hygienemaßnahme, oder der Abschied von der Jogginghose, die im Home Office dein bester Freund war.
  • Gemeinschaft: Endlich ist es wieder möglich, in direkten Kontakt mit den Kollegen zu treten. Wie wäre es, mal einen Kaffee zu trinken mit einem Kollegen, mit dem du normalerweise nicht viel zu tun hast? Oder der Kollegin in die Augen schauen und ihr sagen, dass du die Zusammenarbeit mit ihr sehr schätzt und dich schon auf die gemeinsame Mittagspause mit ihr freust?
  • Hilfsbereitschaft: Im Büro hast du im Vergleich zur virtuellen Welt die Möglichkeit wahrzunehmen, wenn jemand Hilfe braucht. Sei es nur den Stift des Kollegen aufzuheben oder ihm direkt einen Stapel Arbeit abzunehmen – deine Unterstützung kann viel bewirken.

Schaffe die besten Voraussetzungen für eine gelungene Kommunikation und Interaktion mit deinen Kollegen und gestalte für alle einen angenehmen Büroalltag. Was möchtest du im Zusammenspiel mit deinen Kollegen unbedingt verändern? Wie willst du ab Tag 1 der Büropräsenz anders sein? Hilfsbereiter sein, ein selbstbewussterer Auftritt vor den Kollegen? Konflikte immer sofort angehen? Mehr eigene Ideen einbringen? Entscheide selbst, wie du für ein gutes Miteinander sorgst.

Und solltest du (teilweise) im Home Office bleiben: Hier findest du Tipps, wie dir das am besten gelingt. Hapert es am Zeitmanagement? Dann klick mich.


Plett, S. (2021, 23. Juni). Virtuelle Kommunikation. Placetel. https://www.placetel.de/ratgeber/virtuelle-kommunikation#2._Vorteile_virtueller_Kommunikation

Werner, M. (2021, 19. Mai). Büro nach Lockdown und Homeoffice: Chancen für Persönlichkeits-Neustart. Wirtschaftswoche. https://www.wiwo.de/erfolg/beruf/karriereleiter-2-sie-waeren-gerne-anders-dann-jetzt-oder-nie/27201446-2.html