Weltweit verbringen Nutzer durchschnittlich jeden Tag 2 Stunden und 29 Minuten mit Social Media [1]. Das Smartphone wird bei jeder Gelegenheit gezückt – schnell mal ein Video auf TikTok anschauen, WhatsAppen, die Timeline von Facebook durchscrollen… und sich dabei einfach treiben lassen. Nun kommt auch noch der Lockdown hinzu: strenge Ausgangsbeschränkungen, die sozialen Kontaktmöglichkeiten sind auf das Minimum reduziert, gewohnte Freizeitbeschäftigungen außerhalb des Hauses sind nicht möglich. Und aktuell keine Aussicht auf eine schnelle Lockerung der Situation. Klar, dass einem die Decke auf den Kopf fällt. Eine wunderbare Gelegenheit also, noch mehr Zeit mit Social Media zu verbringen. Doch kann das auf Dauer gut gehen?

Social Media und „Nebenwirkungen“

Fakt ist: Übermäßige Nutzung von Social Media schadet uns und birgt Suchtpotential. Wir glauben, Social Media kann unser Bedürfnis nach sozialen Kontakten befriedigen, da wir so ganz bequem mit anderen Personen interagieren können. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Je mehr Social Media, desto desto weniger tatsächlicher menschlicher Kontakt und desto unpersönlicher. Hinzu kommt die ständige Informationsflut in Social Media, welche unser Gehirn überreizt und uns von unseren Gedanken und Emotionen ablenkt, ja fast schon betäubt. Wir wollen immer mehr von dem kurzfristigen Dopaminkick, den uns Nachrichten, Bilder und Videos in Social Media liefern. Dabei merken wir vielleicht gar nicht, wie Social Media uns erschöpft und daran hindert, unsere wahren Bedürfnisse zu erkennen. Wir beginnen, immer unzufriedener und gestresster zu werden.

Eine Reduktion unserer Zeit in Social Media ist also sinnvoll - aber welche Möglichkeiten bleiben uns, wenn unser gewohntes „reales“ Leben momentan durch den Lockdown so eingeschränkt ist?

Eine Lösung: Digital Detox

Digital Detox meint die Bewegung, wieder analoger zu leben und seine Umgebung sinnlich wahrzunehmen. Die gute Nachricht: Auch in Lockdown-Zeiten gibt es sinnvolle Alternativen zu Social Media, die uns gut tun.

  1. Neues ausprobieren. Deine Möglichkeiten im Lockdown sind nicht begrenzt – sondern einfach nur anders. Gibt es etwas, das du schon immer mal tun wolltest, aber bisher keine Zeit dafür hattest? Das können ganz banale Dinge sein wie ein neues Rezept auszuprobieren, deinen Schrank ordentlich auszumisten oder deine uralten Fotoalben aus dem Keller zu durchstöbern - was auch immer dir einfällt. Gönne dir Zeit für dich ohne Unterbrechungen und Ablenkungen und beobachte, wie sich diese Aktivitäten  auf deine Stimmung auswirken. Wie fühlt sich das im Vergleich zur Social Media Nutzung an?
  2. Neue Routinen aufbauen. Aktivitäten, bei denen du dich gut fühlst, solltest du in deine tägliche Routine einbauen. Wie wäre es mit einer Meditationsübung jeden Morgen, einem Spaziergang oder Tagebuch schreiben Oder einfach deine morgendliche Tasse Tee ganz in Ruhe genießen. Routinen in diesen ungewissen Zeiten helfen dir, einen klaren Blick dafür zu bekommen, wovon dein Inneres wirklich profitiert.
  3. Soziale Kontakte – aber mal anders! Ganz ehrlich: Wie tiefgreifend empfindest du WhatsApp-Nachrichten? Ein Anruf ist da schon persönlicher. Oder noch besser: Schreibe einen Brief oder telefoniere bewusst mit einer Person, für die du dir schon länger nicht mehr richtig Zeit genommen hast. Oder: Schonmal einen Beauty-Prosecco-Mädelsabend per Skype gemacht? Werde kreativ!
  4. Der regelmäßige Detox-Check. Was erwartest du dir von der Nutzung von Social Media? Wie fühlt es sich tatsächlich an, belebend oder betäubend? Wie fühlst du dich nach Aktivitäten, die nichts mit der virtuellen Welt zu tun haben? Überprüfe, was DU wirklich brauchst. Und was du auch nach dem Lockdown gerne beibehalten möchtest.

Der Lockdown bedeutet also nicht nur Verzicht, sondern eröffnet uns neue Möglichkeiten. Die momentane Stille ist DIE Gelegenheit, in dich hineinzuhorchen, dich selbst kennenzulernen und zu verstehen, was dir wirklich gut tut. Ganz ohne Social Media.


[1] Digital 2020 October Global Statshot Report