Die Zeit ist reif für Selbstoptimierung und Perfektion. Alles ist möglich, wenn ich nur die richtige Einstellung habe. Immer schneller, immer mehr?

Wenn ich alle meine Absichten, alles was mir begegnet und mich beschäftigt, in das Zentrum meiner Überlegungen und Handlungen stelle – wie oft begegnen mir Hürden und Unwegsamkeiten? Wie oft verliere ich mich in Nebenkriegsschauplätzen? Wie oft verheddere ich mich in Subjekten der Banalität? Themen oder Vorkommnisse, manchmal auch Ärgernisse können mich beanspruchen und einnehmen. Besonders dann, wenn ein IST-Zustand vom gewünschten SOLL-Zustand abweicht.

Was ist mir wichtig, und wann  sind meine Belange wirklich wichtig?  

Wann lohnt es sich gewichtig in Aktion zu treten und mich einzusetzen, um mich durchzusetzen? Wie oft habe ich recht mit meinen Vorhaben und den passenden Vorgehensweisen?

„Nimm dich selbst nicht so wichtig.“ Bereits 1952 erhielt Don Camillo diesen Rat von der Stimme aus dem Off, als er seine Sorgen Jesus am Kreuz vortrug. Diese Lebensweisheit stammt aus der Komödie „Don Camillo & Peppone“.

Wenn wir über unseren Alltag nachdenken, fallen uns gerne auch Dinge ein, über die wir uns Sorgen machen können.

Sich in Vorkommnissen, Problemen, Befürchtungen und Abweichungen von einer Wunschvorstellung oder Erwartungshaltung zu verbeißen, kann Spaß machen. Es kann ablenken, es kann auf jeden Fall beschäftigen. Denn aus irgendeinem Grund, kreisen die Gedanken immer wieder um Dinge, die nicht wirklich relevant für Vorhaben, Zielsetzung oder das Tagwerk sind.

Es scheint manchmal, als sei alles unfair und nur uns gehe es so. Das kostet Kraft, kann frustrierend sein, vielleicht auch beglückend, weil ein altes, bekanntes Muster bedient wird. Unterm Strich, bringt es uns jedoch nicht nach vorne. Weder in Bezug auf ein Ziel, noch auf ein gesundes Maß an Lebensfreude oder in einen stabilen, freundlichen Bezug zu unseren Mitmenschen.  

Wann ist es der Sache, dem Ziel oder dem System und besonders mir und meiner Entwicklung dienlicher, mich zurück zu nehmen? In Interaktion kann ich das nur entscheiden, wenn ich zugehört und hingehört habe. Nur dann kann ich wissen und beschließen, ob meine:

  • Gedanken
  • Ansichten
  • Problemstellungen
  • Herausforderungen

aktuell ins Zentrum gehören.

Wann ist es wichtig und richtig all meine Belange, Ziele, Ansichten und Aufgaben alleinig ins Zentrum zu stellen und mich ganz – losgelöst von Kontext und systemischen Verbindungen – auf meine Schwerpunkte zu fixieren?

Wenn ich nach Perfektion oder einem perfekten Ergebnis strebe - habe ich Referenzpunkte, um Perfektion überhaupt erkennen zu können? Wichtig ist es, einen Fokus zu haben. Und an diesem Fokus orientiert sich ein Plan. Wie kann ich erreichen, was ich mir vorgenommen habe? Wo setze ich an, auf welche Umsetzungsschritte lege ich den Fokus.

Der Rat an Don Camillo „Nimm dich selbst nicht so wichtig“, kann uns auch in unserem Alltag weiterhelfen.

In Interaktion mit anderen Menschen befinden wir uns oft in Stresssituationen. Wir möchten so viel wie möglich schaffen.

Neben den Blick nach innen, gibt es jenen nach außen. Denn der Mensch ist ein soziales Wesen und agiert in einem sozialen Umfeld. Wie sieht unseres aus? Hatten wir bis jetzt nur den Fokus auf uns selbst? Oder sehen wir uns als Teil des gesamten Systems?

Indem wir unseren Blick erweitern, sehen wir mehr und vor allem wie Verschiedenes zusammenhängt. Unsere Probleme sehen im Gesamtkontext auch gleich anders aus.

Fragen hilft und klärt: Haben wir Vertrauen in unser Umfeld. Anstatt unsere Gedanken- und Arbeitslast zu vergrößern, können wir auch überlegen, welche Verantwortungen wir abgeben können. Was können wir durch Fragen lösen, welche „Gedankenbälle“ können wir zurückgeben?

Das Beibehalten der inneren Wertschätzung ist unerlässlich.

Denn wir selbst sind es immer wert zu sondieren, auszuwählen, worauf wir unseren Fokus legen.

Das „Nimm dich nicht so wichtig.“ wird somit zum „Nimm die kleinen Sandkörnchen im Getriebe nicht so wichtig, sei dir selbst wichtig.“