Befinden wir uns gerade körperlich und gedanklich in diesem Moment?

Eine kleine Übung zu Beginn: Was tun wir gerade? Stehen oder sitzen wir?

Was fühlen wir dabei? Was sehen, riechen, schmecken, hören wir?

Sollten wir gerade am Schreibtisch sitzen: Wie sieht dieser aus? Wie fühlt sich die Oberfläche an? Sind wir alleine im Raum? Was hören wir?

Sind wir in diesem Moment präsent?

Die Präsenz von uns und Anderen beeinflusst unsere Wahrnehmung und wie wir unsere Umgebung und Mitmenschen empfinden. Was sehen wir – durch unsere Erinnerungen, Filter, Erlebnisse, etc. Können wir besonders einen Menschen dann noch neutral wahrnehmen?

Treffen wir uns vertraute Personen in einem anderen Kontext wieder, fällt es uns schwerer, diese zu erkennen, als wenn wir sie im gewöhnlichen Kontext sehen. Unser Bild, das wir uns von unseren Kollegen oder Mitarbeitern aufgebaut haben, kann so stabil sein, dass es fast unmöglich erscheint, Attribute im anderen zu sehen, die wir sonst nicht gesehen haben. Experimentelle Studien zeigen, dass Inhalte besser an den Orten wieder abgerufen werden können, an denen sie in unserem Gedächtnis gespeichert werden (vgl. Godden & Baddeley, 1975). Verändert sich der Kontext, fällt es uns schwerer diese Inhalte wieder abzurufen.

Im modernen Management ist es wichtig, seine Vorgehensweise anzupassen und verändert abzurufen. Im agilen Umfeld kann eine hierarchische Vorgehensweise z.B. nicht abgerufen werden, weil wir sie nicht in diesem Umfeld gelernt haben. Über Erfahrungswerte haben wir langjährig Referenzpunkte zur Orientierung aufgebaut, die heute möglicherweise nicht mehr die zielführende Bedeutung haben. Diese Referenzpunkte können wir bewusst ergänzen und erweitern, um auch in sich verändernden Systemen zielführend zu aktualisieren: durch Interesse, Reflexion, Erkenntnisse, Ausprobieren.

Hinterfragen und den Blick für’s Wesentliche hilft. Damit wir einschränkende Filter vermeiden können.

Präsenz - present in the moment?

Was bedeutet Präsenz?

Präsenz kann Zugegen-Sein, Anwesend-sein in gleichzeitig räumlich und zeitlichem Sinne bedeuten.

In Bezug auf Personen wird von Präsenz meistens gesprochen, wenn jemand in einer Gesellschaft in besonderer Weise wahrgenommen wird. Gemeint ist nicht Verhaltensauffälligkeiten im Sinne einer Abweichung von der gegebenen Norm, sondern eine individuelle Ausstrahlung, ein Gegenwärtig-Sein, Im-Moment-Sein.

Präsenz kann sich etwa zeigen durch die Art wie jemand spricht, sich an einen Gesprächspartner richtet, sich bewegt, oder durch einen Blick, eine Reaktion…

Dabei kann Präsenz wertungsfrei sein und nicht zwangsläufig mit Sympathie einhergehen. Auch, oder gerade unsympathische Menschen haben häufig eine hohe Präsenz. Eine sehr präsente Person ist meistens nicht nur einfach da, sondern erzwingt nahezu eine Reaktion ihrer Umwelt, sei diese positiv oder ablehnend.  

Präsenz kann dabei auch Authentizität, Unverstelltheit, einen gewissen Grad an Selbstbewusstsein, so sein zu dürfen, wie man ist und nicht so, wie Andere es erwarten, sein.

Was bedeutet Präsenz für uns selbst? Wann sind wir präsent?

Unsere Wahrnehmung von anderen Menschen wird beeinflusst durch verschiedene Filter. Das objektive Bild wird gefiltert durch Ansichten oder Einschätzungen, die wir von uns selbst und anderen haben, und auch Stimmungen, Befindlichkeiten und die gegenwärtige Situation spielen eine Rolle.

Präsent sein heißt, den anderen klarer zu sehen und in direkterem, ungefiltertem Kontakt zu stehen.

Wahrnehmung kann durch verschiedene Filtereffekte beeinflusst werden:

Ähnliche Merkmale – der erste Eindruck

Der Mensch trifft in der Regel innerhalb weniger Sekunden eine Einschätzung über Sympathie oder Antipathie des Gegenübers, die in dieser Geschwindigkeit meist auf äußerlichen Merkmalen beruht. Personen mit subjektiv wahrgenommenen „ähnlichen Merkmalen“ oder weitere Interaktionen aus. Personen, die uns sympathischer sind, treten wir freundlicher entgegen, wobei in der Regel diese Freundlichkeit dann auch erwidert wird. So kann der erste Eindruck schnell zu einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“ werden.

Selbstbezug

Ein Mensch, der sich selbst sehr um ein genaues Arbeiten ohne Flüchtigkeitsfehler bemüht, neigt dazu, auch an die Kollegen hier einen engen Maßstab anzulegen.

Halo-Effekt

Griech.: der „Hof“ um eine Lichtquelle. Ein besonderes Merkmal überstrahlt alle anderen.

Nikolaus-Effekt

Die letzten Eindrücke bleiben besser haften und zählen bei Beurteilungen mehr. Aber warum heißt diese Beurteilung Nikolaus-Effekt? Auch der Nikolaus erinnert die Kinder ja meist nur an die Sünden aus der kürzeren Vergangenheit – so ungefähr aus den letzten drei Tagen -, auch wenn sein jährliches Erscheinen und sein goldenes, penibel geführtes Buch einen anderen Eindruck erwecken.

Rosarote Brille

Persönliche Stimmungslage beeinflussen die Beurteilung. Gut gelaunte Menschen erinnern sich vor allem an positive Sachen aus der Vergangenheit – so die Ergebnisse von Gedächtnis-Experimenten. Bei guter Laune sieht der Mensch alles „durch eine rosarote Brille“. Er nimmt die Welt so wahr, dass eine gute Laune erhalten bleibt. Und hat der Mensch schlechte Laune, dann weicht die rosarote Brille dem Nörgel-Blick.

Selbst erfüllende Prophezeiung

Wenn wir von einem Menschen erwarten, dass er sich in einer besonderen Weise verhält, unterstellen wir gerne diese Verhaltensweise. Indem wir dieses unterstellen, verhalten wir uns auch in entsprechender Weise und die Reaktion des anderen ist die Reaktion auf unser Verhalten. So erfüllt sich unsere Prophezeiung.

Wie wirkt Präsenz? Woraus besteht sie und können wir sie erlernen?

Präsenz im eigentlichen Sinne kann nur begrenzt eingeübt werden, sondern entsteht aus einer Haltung heraus. Dennoch gibt es einige trainierbare Aspekte, die ein souveränes und positives Auftreten z.B. während einer Präsentation, aber auch im beruflichen und privaten Alltag unterstützen.

Ausstrahlung und Überzeugungskraft hat der Mensch, der „Ja“ zu sich selbst sagt.  Eine positive Ausstrahlung und offene Haltung sich und anderen Gegenüber sind eine wichtige Grundlage für eine gute „Bühnenpräsenz“ im Auftreten von anderen.

  • Selbstbejahung: Viele Menschenkönnen über eigene scheinbare Mängel oder Defizite nicht hinwegsehen und fürchten sich davor, jemand könnte ihr Nicht-Perfekt-Sein entdecken. Der Fokus auf Fehler und Unzulänglichkeiten verspannt, verkrampft und blockiert jedoch alles andere -  und das ist auch nach außen hin sichtbar. Wem es jedoch gelingt, diese Facetten seiner selbst zu akzeptieren, eigene Schwächen anzuerkennen und offen damit umzugehen, zu sich selbst zu stehen, statt sich klein zu machen, der wird sich selbst als souverän und sicher wahrgenommen.
  • Natürliches Verhalten: Wenn Worte und Körpersprache einer Person erkennbar voneinander abweichen, ist der Betrachter zumindest irritiert. Authentizität, Selbstbewusstsein und ein in sich stimmiges Auftreten, ohne sich verstellen zu müssen, sind daher wichtige Faktoren für eine positive Wahrnehmung.
  • Engagement und Identifikation: Eine positive Einstellung zur Situation und zu den getroffenen Entscheidungen, Identifikation mit dem eigenen Thema und ein zielstrebiges Verfolgen eigener Interessen wirken beim Zuschauer glaubwürdig und kompetent.
  • Grundhaltung zum Anderen: Du bist o.k., ich bin o.k. Eine positive und kooperative Haltung zum Gegenüber ist die Grundlage für konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit: dazu gehört, den Anderen als gleichwertigen Partner anzunehmen und seine (auch abweichende) Meinung zu akzeptieren, seine Ziele und Interessen zu respektieren und für beide vorteilhafte gemeinsame Lösungen zu finden.

Es kann auch passieren, dass wir von Mitarbeitern aus unserer Präsenz geholt werden. Sitzen wir an einer Aufgabe und sind gedanklich tief drinnen, so kann uns die Person, die uns anspricht oder um etwas bittet, im Gedankengang stören. Dann braucht es wieder eine gewisse Zeit, bis wir in diesen zurücktauchen können.

In diesen Fällen können wir konkret den Mitarbeiter bitten:

„Wir können gerne in einer halben Stunde darüber sprechen. Gerade bin ich beschäftigt. Dann kann ich mich auch voll auf das Anliegen konzentrieren.“

In dringenden Fällen können wir uns dennoch die Zeit nehmen, unsere Gedanken kurz aufzuschreiben und somit für später festzuhalten.

Ist unser Gedankenkarussel voller Deadlines, Sorgen, To-Do’s oder Ansprüchen kann das uns in unsere Präsenz stören. In diesem Fall kann es helfen, uns selbst zu uns zurück zu holen.  Schließen wir für kurze Zeit die Augen und leeren unsere Gedanken. Anstelle konzentrieren wir uns nur auf uns selbst in diesem Moment. Auf unsere Atmung, auf unser Empfinden, auf unser Gefühl.

Dann öffnen wir die Aufgaben und nehmen wieder Präsenz ein.

Haltung und Präsenz

Wer „präsent“ sein möchte, kann seine Haltung überprüfen. Zu seiner Umgebung, zu seinen Mitmenschen, zu seiner Aufgabe.

Sind wir in jetzigen Moment präsent, so nehmen wir intensiver wahr und erfahren mehr von unserem Umfeld, als wenn wir nicht offen, oder sogar „blind“ durch den Tag gehen.

Innere Haltung und Präsenz verändert auch die die innere Kommunikation und somit, was ich über mich selbst denke: Unser Selbstbild, unser Selbstvertrauen und unsere Achtsamkeit. Also, schön im Hier und jetzt zu sein.

Nehmen wir unsere Umwelt bewusst wahr. Nehmen wir Präsenz ein.