Ob im Straßenverkehr, im Beruf, zuhause mit der Familie oder aber bei uns selbst… Wie oft ärgern wir uns über ein Verhalten, das nicht unseren Erwartungen entspricht? Der Sonntagsfahrer vor uns, hinter dem wir herschleichen müssen, obwohl wir es eilig haben, der Kollege, der nie das versteht, was ich ihm sagen will… Wir regen uns auf, sagen vielleicht sogar Dinge, die wir gar nicht sagen wollten. Und hinterher – wenn wir uns beruhigt haben – stellen wir fest, dass das Problem ja eigentlich gar nicht so schlimm war. All die Aufregung umsonst. Wie können wir das vermeiden und gleich in eine konstruktive Herangehensweise springen? Der Schlüssel: lösungsorientiertes Denken und Handeln.

Warum der Fokus auf Lösungen hilft

Ist es wirklich wichtig, ein Problem zu verstehen, um eine gute Lösung zu finden? Jein. Es kommt natürlich auf unser Ziel an, in vielen Fällen ist das Analysieren eines Problems aber nur zeitintensiv und kostet uns Energie, die wir viel besser in die Lösungsfindung investieren könnten. Dadurch, dass wir unser Denken am Problem orientieren, fördern wir negative Gedanken und Stress - und hindern unser Großhirn daran, rational zu denken. Durch den Stress entwickeln wir negative Glaubenssätze und sind immer weniger offen für neue, kreative Ideen. Die gute Nachricht: Jeder Mensch trägt immer die Lösung eines Problems in sich. Und so schaffst du es, ein lösungsorientiertes Mindset zu entwickeln:

  • Erkenne, was funktioniert, und mach mehr davon. Auch wenn du vor einem Problem stehst, fokussiere dich darauf, was bereits gut klappt. Wenn du beispielsweise denkst, dass du schwach im Präsentieren bist: Welche Aspekte gibt es, die bereits gut funktionieren? Zum Beispiel eine offene Körperhaltung, ansprechende Power-Point-Folien, …? Baue deine Stärken weiter aus und du wirst sehen, dass das bald auch deine innere Einstellung beeinflusst.
  • Trenne das Problem von der Lösung. Wie möchte ich sein? Nicht: Wie bin ich. Wenn du dir beispielsweise als Ziel setzt abzunehmen, ist es sinnvoller, dir vorzustellen, wie du aussehen und dich fühlen möchtest, anstatt, was du jetzt alles verändern möchtest. Das soll nicht heißen, ein Problem komplett auszuklammern. Erkenne das Problem an, aber verwende deine Energie für die Lösung.
  • Orientiere dich an deinen Ressourcen. Meist fällt es uns leichter, unsere Schwächen zu benennen als unsere Stärken. Das führt dazu, dass wir schwierigen Situationen lieber aus dem Weg gehen – weil wir glauben, dass wir keine Lösungen finden können. Lernen wir jedoch, an Herausforderungen zu wachsen, entwickeln wir immer mehr Freude daran und entwickeln bessere Lösungen. Deshalb: Welche Fähigkeiten besitzt du, die dir helfen (könnten), eine schwierige Situation zu meistern? Welche Kompetenzen möchtest du weiter ausbauen, um ein Problem auch in Zukunft zu bewältigen?
  • Selbstwirksamkeit. Wirf einen Blick auf deine bisherigen Erfolge und überprüfe, welche Fähigkeiten dir damals geholfen haben. Der Fokus auf erfolgreich bewältigte Situationen fördert unsere Motivation und sorgt dafür, dass wir immer wieder neue Impulse setzen und neue, bessere Lösungen suchen.
  • Sei effizient und pragmatisch. Gehst du in das Problem und veränderst nichts, oder veränderst du dein Denken und findest Lösungen? Überprüfe, ob es sich lohnt, das Zustandekommen eines Problems oder die Schuldfrage zu analysieren – oder die Zeit dafür zu nutzen, Lösungsstrategien zu entwickeln. Wenn dein Kollege beispielsweise etwas Unmögliches fabriziert hat, mit dem du nicht weiterarbeiten kannst: Investierst du die Zeit, dich bei einem anderen Kollegen darüber auszulassen – oder nutzt du sie, dir zu überlegen, was du diesem Kollegen sagen könntest, damit er so ein Verhalten nicht mehr an den Tag legt? Oder willst du eine kleine Entspannungsphase einbauen…?

Wichtig ist, sich stets im Klaren darüber zu sein, dass Probleme und Fehler auch nützlich sind. Wenn dich ein Weg nicht zum Ziel geführt hat, ist das okay – was zählt ist, wie es weitergeht. Welche anderen Wege gibt es noch? Ein „Hätte, hätte, Fahrradkette“ bringt dich jetzt nicht weiter. Hier erfährst du, was Lösungsorientierung damit zu tun hat, aus Herausforderungen immer noch gestärkter hervorzugehen und Resilienz aufzubauen – und wo du gerade stehst.

Jeden Tag ein bisschen besser – Go for it!


Stobbe, M. (2019). Lösungsorientiert denken und handeln: Wie eine Haltung Ihr Leben verändert (Haufe TaschenGuide) (1. Auflage 2019 Aufl.). Haufe.