Das antike Griechenland hat nicht nur die Geschichte geprägt, sondern auch unsere Art zu kommunizieren. Und das bis heute. Die Argumentationstechnik, die sich damals etabliert hatte, wird bis heute angewendet.

In dieser beginnen die Redner mit einer Einleitung um die Zuhörer in das Thema einzuführen. Anschließend werden Pro- und Contra-Argumente vorgestellt. Diese beginnen mit einem neutralen Statement zu dem Thema. Damit fühlen sich die Zuhörer abgeholt, und werden nicht von ihrer eigenen Meinung beeinflusst. Dann wird das Argument erläutert. Bevorzugt wird das Argument zum Schluss genannt, für das der Redner die Zuhörer einstimmen möchte. Als Letztes wird noch einmal ein Fazit gezogen.

Diese Art der Argumentation, der Überzeugungsrede ist eine Form der Rhetorik. Und diese ist auch für unsere heutige Zusammenarbeit im Business-Kontext ein starkes Tool mit viel Potenzial und Chancen.

Doch was ist Rhetorik genau und woraus besteht es?

Ein kleiner Guide der Rhetorik.

Was ist Rhetorik?

Rhetorik kann als Kunst der freien Rede definiert werden. Oder die Lehre von der Überzeugung im Monolog. Sie ist eine Logik, bei der immer ein Ziel verfolgt wird. Der Begriff selbst stammt aus dem Griechischen, wo ihm Rhetorik schon eine hohe Bedeutung zugesprochen worden. ist

Kein Wunder, denn Rhetorik, die „Redekunst“, hat viele Eigenschaften. Mitunter diese:

  • vermeidet Kommunikationsschwierigkeiten
  • verdeutlicht Ziele und Standpunkte
  • vermittelt und überträgt Überzeugungen
  • wehrt unfaire verbale Angriffe ab
  • entwickelt das präzise Denken
  • trägt zur Entfaltung der Persönlichkeit bei
  • produziert Emotionen, die für Sache und Ziele wichtig sind
  • motiviert
  • entwickelt Identifikation
  • fördert Engagement
  • steigert Produktivität

Besonders im beruflichen Umfeld, ist Rhetorik ein mächtiges Tool. Denn wir können nicht nicht kommunizieren. Sinnvoll ist daher, bewusst und erfolgreich zu kommunizieren.  Rhetorik beinhaltet verschiedene Mittel, die auf unterschiedlichen Ebenen und Wegen eingesetzt werden können. Jeder dieser Mittel wirkt auf ihre eigene Art und hat unterschiedliche Vorteile.

Sprachliche Mittel

Eine klare und zielgerichtete Sprache erzeugt Verständnis und unterstützt das Gewicht und die Botschaft.

Klare und sachorientierte Sprache:

Die Sprache ist zielgerichtet, strukturiert und auf dem Punkt gebracht. Dabei ist sie verständlich und kann Kompliziertes vereinfachen. Dafür sollen kurze Sätze verwendet und „Papierdeutsch“ vermieden werden. Neben den Inhalt ist die Sprache dabei deutlich, in einem langsamen Tempo und hat vereinzelt Sprechpausen.

Anschauliche Sprache:

Eine anschauliche Sprache verwendet Bilder, Analogien, Referenzen und rhetorische Fragen. Dafür eignen sich Beispiele aus dem Erlebnisfeld des Zuhörers gut. Generell bietet sich es an Geschichten zu erzählen, Einzelheiten aufzuzeigen und Vergleiche zu ziehen.

Positive Formulierung:

Statt „Ich bin bis Dienstag nicht im Büro.“ Lieber „Ich bin ab Mittwoch wieder zu erreichen.“

Eindringliche Sprache:

Ein sprachliches Mittel ist es, Wiederholungen  zu benutzen. „Herr X hat erstens diese Aufgabe…“, „Herr X hat zweitens diese Aufgabe…“ , „Herr X hat drittens diese Aufgabe…“

„Weichspüler“ vermeiden:

Wörter wie eigentlich,  vielleicht, eventuell oder könnte werden vermieden. Konjunktiv-Formulierungen werden vermieden. Der Sprecher macht sich nicht klein („Ich kenne mich ja nicht aus, aber…“)

Deutlich und aussagekräftig sprechen, wie „Ich kenne die Lösung“ statt „Ich glaube, ich könnte vielleicht eine Idee haben…“

Einsatz der Stimme

Durch unsere Stimmlage und Betonung können wir Sicherheit ausstrahlen und gleichzeitig unsere eigene Souveränität gewinnen. Dazu gehören:

  • eine der Situation angemessene Lautstärke und gesenkte Tonlage
  • eine lebhafte und abwechslungsreiche Sprechmelodie (das weckt die Aufmerksamkeit der Zuhörer)
  • ein ruhiges Tempo und angemessene Pausen
  • eine deutliche Aussprache (Artikulation). Betonung der Endkonsonanten und Endsilben (wg. Schall-Schluckeffekt)
  • im vorderen Teil des Mundraums sprechen (Deutlichkeit, Entlastung)

Nonverbale Kommunikation

Wir befinden uns zu jeder Zeit in der Kommunikation. Selbst wenn wir nicht sprechen, können wir bewusst nonverbal Signale senden. Durch den bewussten Einsatz der folgenden, nicht-sprachliche Mittel der Rhetorik lässt sich die eigene „Bühnenwirkung“ positiv beeinflussen und das Gesagte unterstreichen.

Ein großer Teil des Erfolgs liegt in der Vorbereitung. Formulieren wir eine Strategie, wie und mit was wir zu unserem Ziel kommen möchten, so erstellen wir uns einen Fahrplan. Sollte die Konversation von dem Weg abkommen, so können wir sie wieder zum geplanten Weg führen. Das gibt uns Klarheit und Orientierung.

Mimik:

  • Aktiver Einsatz und wechselndes Mienenspiel
  • zustimmendes Nicken
  • positive Grundeinstellung zum Zuhörerkreis zeigen: lächeln, freundliches, offenes Gesicht
  • Blickkontakt: möglichst freies Sprechen, Kontaktaufnahme, Wahrnehmungen von Signalen aus dem Publikum

->Sind wir unserer Mimik bewusst? Setzen wir bewusst „andere“ Signale. Ein Lächeln hilft in den meisten Situationen.

Gestik:

  • Runde Armbewegungen im Bereich zwischen Mund und Gürtellinie
  • ruhig, kontrolliert, lebhaft, natürlich, glaubwürdig
  • sinnvoller Einsatz verhindert nervöse Körperaktivitäten, unterstützt das Verstehen
  • Einsatz bspw. als Unterstützung bei der Nutzung von Visualisierungen, indem auf den Teil, der gerade besprochen wird, auch mit der Hand gezeigt wird.

->Bist du deinem Gegenüber zugewandt? Richte deinen Körper zu ihm aus. Das zeugt von Interesse.

Haltung:

  • Sicher wirkt eine aufrechte Haltung, Schultern und Kopf gerade; stabil auf beiden Beinen stehend, Füße schulterbreit; Grundhaltung: offen zum Publikum
  • Die innere Haltung beeinflusst die äußere Wirkung. Daher: Selbstbewusstsein und Zuversicht!
  • Die äußere Haltung beeinflusst die innere Haltung: Signale der Sicherheit nutzen, um sich selbst zu stärken.

->In welcher Haltung befinden wir uns gerade? Sitzen wir? Stehen wir? Richten wir uns auf, und stehen unserer Tätigkeit gerade gegenüber. Wir werden merken, dass wir uns gleich anders fühlen.

Kleidung:

  • Bequeme und angemessene Kleidung
  • das Wichtigste: Wir müssen uns darin wohlfühlen.

->Ein over- oder underdressed gibt es eigentlich nicht. Unsere Haltung gibt vor, wie uns der andere wahrnimmt. Fühlen wir uns wohl, auch in unserem „Ranzel“-Pullover, so nimmt das unsere Gegenüber auch so wahr.

Empathie:

  • Hineinversetzen in den Zuhörer, seine Erwartungen, Voraussetzungen, Interessen; Beobachtung der Reaktion.

->Fühlen wir in den Anderen hinein. Was empfindet er gerade? Das kann uns Hinweise zur Steuerung geben.

Achten wir auf diese Punkte, und somit auch auf unsere Haltung, beeinflussen wir bewusst unser Umfeld. Welche Signale möchten wir senden?

Rhetorik ist ein Schlüssel zum Erfolg

Rhetorik ist ein mächtiges sprachliches Mittel. Bewusst und erfolgreich eingesetzt, können wir zielstrebig Argumentieren und Menschen überzeugen. Somit kann es Anwendung in den verschiedensten Bereichen finden: Mitarbeitermotivation, Zielvereinbarungsgespräch, Delegation, Klärungsgespräch, …

Die Reflexion nach Gesprächen kann uns helfen, zu Erkennen wo wir uns verbessern können. Fragen wir uns nach wichtigen Gesprächen: Was lief gut? Was schlecht? Wie könnten wir das beim nächstem Mal anders machen?

Kommuniziere nicht irgendwie. Setze bewusst Rhetorik ein. Für dich und dein Umfeld.