Wer kennt sie nicht, die Vorfreude auf Weihnachten. In der Fußgängerzone duftet es nach Glühwein und Punsch, die Weihnachtslichter in den Straßen und in unserem Wohnzimmer erhellen unser Gemüt und wir trällern fröhlich Weihnachtslieder. Zumindest sieht so in vielen Köpfen das Idealbild aus. Jedes Jahr erneut freuen wir uns auf ein harmonisches Fest mit unseren Liebsten - und doch schaffen wir es nur selten, das auch in die Tat umzusetzen. Stress und Streitigkeiten, oder einfach das falsche Geschenk, können uns das Fest gehörig verderben.

Oh du Fröhliche

An Heilig Abend essen wir, singen, reden und freuen uns auf unser Beisammensein und die Bescherung - jeder auf seine Art. Das Ritual gibt uns Struktur und Inhalt und damit auch ein Gefühl der Wärme, des Friedens und der Verbundenheit. Draußen vor unseren Fenstern ist alles ruhig und wir genießen die Geborgenheit neben unserem Christbaum...

Diese positiven Gefühle sind Balsam für unsere Seele – doch gerade in der Weihnachtszeit werden sie idealisiert und überhöht. In unserer Erinnerung ist Weihnachten meist viel positiver und harmonischer, als das Fest tatsächlich war. Und das ist auch gut so! Positive Gefühle schenken uns Kraft, Mut und Zufriedenheit – denn gerade in einer Welt, in der nichts perfekt ist, finden wir Halt in der perfekten Vision von Weihnachten.

Leider entsteht genau daraus auch das Potential, dass Weihnachten nicht unseren Vorstellungen entspricht und wir enttäuscht werden…

A beautiful sight, we’re happy tonight… Oder?

Vielen kommt um die Weihnachtszeit vor allem ein Wort in den Sinn: Stress! Geschenke besorgen, das Weihnachtsfest mit einem großartigen Essen vorbereiten, Dauerbeschallung mit Weihnachtsliedern... Und dann auch noch die Aussicht auf die Nörgelei der Schwiegermutter an Heilig Abend. Nach Vorfreude klingt das nicht. Was ist, wenn das Essen nicht schmeckt oder die Geschenke nicht gefallen? So viel Druck und Unwägbarkeiten - und dann sorgt auch noch Corona dafür, dass alles ganz anders läuft als sonst und schürt weitere Sorgen.

Alles eine Frage der Sichtweise

All diese Sorgen sind absolut berechtigt und normal. Aber es gibt Möglichkeiten, mit diesen Herausforderungen umzugehen:

  1. Was bedeutet Weihnachten für dich? Es hilft, sich auf das Wesentliche zu besinnen. Es muss gar nicht der christliche Hintergrund sein. Aber worum geht es dann? Geschenke? Um einen perfekten Abend? Mach dir klar, was DIR an Weihnachten wirklich wichtig ist. Das hilft, an anderer Stelle von den eigenen Erwartungen loszulassen.
  2. Was bedeutet es für dich, wenn Weihnachten nicht so läuft wie immer? Wie gehst du mit Enttäuschungen um? Eines ist klar: Schmollen und negativ abspeichern ist keine optimale Lösung. Versuche stattdessen, die positiven Aspekte zu würdigen. Zähle drei für dich positive Dinge des Festes oder der Vorweihnachtszeit auf und denke mit einem Lächeln daran.
  3. Was tun, wenn die Geschenke nicht gefallen und die Enttäuschung am Gesicht ablesbar ist? Denke daran, es ist nicht das Geschenk selbst, das zählt, sondern die Geste. Hinter einem Geschenk stecken Bemühungen, seinem Gegenüber eine Freude zu bereiten. Und wenn dein Geschenk nicht gefällt, kannst du immer noch fragen, warum.
  4. Streitigkeiten an Weihnachten passieren auch in den vermeintlich harmonischsten Familien - gerade dann, wenn man versucht, besonders harmonisch zu sein. Verhindern können wir das wahrscheinlich nicht. Aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen. Muss ich wegen eines unpassenden Kommentars wutschnaubend den Raum verlassen? Oder schaffe ich es, für diesen einen Abend meinem Gegenüber mit Positivität und Verständnis entgegenzutreten? Welches Bedürfnis steckt vielleicht hinter diesem Verhalten, das nicht anderweitig geäußert werden kann? Und dann: nimm es einfach mal so hin.

Last but not least: Vor allem auch dieses Weihnachten hat nicht jeder die Möglichkeit, mit seinen Liebsten feiern zu können und ist zu dieser Zeit vielleicht sehr einsam. Welche Bedürfnisse stecken - gerade in der Weihnachtszeit - dahinter? Hand aufs Herz: Auch, wenn es scheint, dass die ganze Welt glücklich beisammen mit den Liebsten ist, Einsamkeit können wir alle nachempfinden. Aber man ist dem nicht hilflos ausgeliefert. Man könnte beispielsweise Gleichgesinnte finden - Internet sei Dank gibt es genug Möglichkeiten, mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Mit ein wenig Kreativität lässt sich bestimmt eine Lösung finden.

Es ist in Ordnung, wenn an Weihnachten nicht alles nach unseren Vorstellungen läuft. Horch in dich hinein und mache auch aus ungünstigen Situationen das Beste. Denn darum geht es doch in Wirklichkeit: Weihnachten soll wieder ein Fest sein, das dir gut tut!


Nimm's leicht. :) Hier findest du eine kleine Ode an die Leichtigkeit.