New Work, Agiles Arbeiten, Digitalisierung und Co. - Unsere Arbeitswelt verändert sich zunehmend und wird immer schneller. Ansprüche und der Drang zur Flexibilität steigt. War früher eine gute Work-Life-Balance das Ziel, so wandelt sich dieses immer mehr zum Work-Life-Blending. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben und der Job nimmt einer immer zentralere Rolle im Leben ein. Für viele wird das zur Zerreißprobe, die in unter anderem in Burn-Out enden kann.

Work-Life-Balance im Check: Mehr persönlicher Spielraum?

Home-Office, Job-Sharing und flexible Arbeitszeiten -  Alles Maßnahmen, um in unserer modernen Gesellschaft Ansprüchen gerecht zu werden. Denn es soll immer einfach werden, in jeder Lebenssituation berufstätig sein zu können. Egal ob für junge Eltern, Selbstverwirklicher oder Digital Nomads, jeder findet sein passendes Konzept, mit dem er Arbeit und Privat in Einklang bringen kann. Dafür hat auch die Digitalisierung gesorgt, mit der wir von überall aus, zu jeder Zeit online unsere Arbeit verrichten können. Und genau hier liegt der Knackpunkt. Denn wenn wir immer und überall erreichbar sind, werden die Grenzen zwischen Job und Freizeit verschoben und teils aufgelöst. Die reine Work-Life-Balance wird zum Work-Life-Blending, und wir können psychisch und physisch keine klaren Grenzen mehr ziehen.

Zu viel Arbeit wegen Work-Life-Blending?

Dabei kommt es natürlich auf jeden Einzelnen von uns an. Abhängig davon, was für eine Arbeit verrichtet wird, inwieweit sich mit dem Sinn der Arbeit identifiziert wird oder wie psychisch resilient sind, ist es ein größeres oder kleineres Problem. Jedoch sprechen die Statistiken für sich: in den vergangenen Jahren stieg die Anzahl an Burn-Out-Fällen und jährlich erkranken ca. 5,3 Millionen Deutsche an Depressionen. Grund dafür ist, dass Work-Life-Blending meistens auf die Kosten der Freizeit und des Privatlebens geht. Dass bedeutet Überstunden, Arbeiten am Wochenende oder im Urlaub und eine weitaus längere gedankliche Beschäftigung mit den Themen. Diese neue Norm erzeugt Stress und Druck bei den Arbeitnehmern, und verändert zunehmend auch die Erwartungshaltung von Vorgesetzten und von uns selbst. Dieser Leistungsdruck und die Belastung bringen uns an die Grenzen. Im schlimmsten Fall zu Erschöpfungssyndrom, Burn-Out-Syndrom oder Depression.

Burn-Out-Syndrom: Schneller da, als manche denken

Ist das Risiko zu groß bei Work-Life-Blending?

Ist das Konzept somit zum Scheitern verurteilt? Nicht unbedingt. Wir selbst sind in der Verantwortung das "Blending" nicht zur Übernahme werden zu lassen. Wir können für uns selbst entscheiden, in welchen Bereichen wir Linien verwischen und in welchen wir sie unbedingt brauchen. Dafür ist eine Absprache mit dem Chef/Vorgesetzten und Kollegen essentiell, sowie eigene persönliche Regeln:

  • inwieweit möchte ich außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sein und ist das unbedingt notwendig?
  • Sind die Überstunden nötig, oder kann ich das morgen erledigen?
  • Macht der Einschub des Projekt /der Aufgabe Sinn? (zeitliche Relevanz und/oder Notwendigkeit)
  • Reicht meine Arbeitszeit für das Aufgabenspektrum?
  • Halte ich auch im Home-Office meine Zeiten ein?
  • bei flexiblen Arbeitszeiten: Arbeite ich mehr als meine festgelegten Zeiten?

Haben wir diese Grenzen und Absprachen gesetzt und besprochen, so gilt es diese zu beobachten. Wie geht es uns mit diesen? Merken wir, dass es uns doch zu viel ist, oder wir diese Grenze nicht brauchen, so können wir sie jederzeit verschieben. Es ist wichtig, sich selbst einzugestehen wo das persönliche Limit ist. Treten die ersten Erschöpfungssymptome auf, so sollten wir aufmerksam werden und den Ursprung dieser überprüfen. Alle Nachjustierungen der Grenzen und persönlichen Regeln sind dann an unser Umfeld zu kommunizieren.

Ein gesunder Mix zwischen Arbeit und Privatleben ist nicht leicht und besonders auch nicht immer fest. Damit die Waage nicht zu sehr zu einer Seite kippt, können wir stets beobachten und unser Wohlbefinden hinterfragen. Die Erkenntnis ist der erste und wichtigste Schritt in Richtung Lösung.